Menschen essen Mais. Tiere essen Mais. So weit, so gut. Doch nun hat die EU-Kommission einen Beschluss gefasst, der Mais von Grund auf verändert. Aus einem Lebensmittel wird dank des genmanipulierten Maises „Smartstax“ ein Giftcocktail, der gegen alles mögliche resistent ist. Und Mensch und Tier erheblichen Schaden zufügen kann.

Ein großes Problem in der Landwirtschaft sind Insekten. Wenn sie Pflanzen befallen, sind ganze Ernten oder wenigstens Teile davon betroffen. Daher werden Pflanzenschutzmittel verwendet. Doch die zerstören oft nicht nur die Schädlinge, sondern die Pflanzen gleich mit. Das US-amerikanische Unternehmen Monsanto hat Smartstax entwickelt und kann es künftig nach dem EU-Beschluss auch nach Deutschland einführen.

Genmais

Starke Abwehr, aggressiver Angriff

Schädlingsbekämpfung ist für den genmanipulierten Mais Smartstax kein Problem. Er ist in der Lage, eigene Gifte gegen Schädlinge zu produzieren. Auch Tonnen von Unkrautvernichtungsmitteln können ihm nichts anhaben. Mais, der so widerstandsfähig ist, bietet gute Aussichten auf geschäftlichen Erfolg. Und so kann sich das Unternehmen Monsanto schon jetzt auf fette Gewinne freuen, wenn der Export nach Europa beginnt. Künftig werden also Tiere in Deutschland mit Mais gefüttert, der genmanipuliert ist, und das hat Folgen. Denn der neue Mais ist nicht nur stark in der Abwehr, er greift auch aggressiv an. Das weiß Professor Gilles-Éric Séralini von der Universität Caen in Frankreich. Er sagt über Smartstax: „Das ist der allerschlimmste. Er hat sechs Pestizide. Das ist eine Pestizid-Bombe!“ Der Professor fügt hinzu, dass diese sechs Pestizide kaum auf ihre Auswirkungen auf die Gesundheit getestet sind. Und dass die Behörden davor die Augen verschließen. Die Zulassung von Smartstax beruht nicht etwa auf strengen und genauen Prüfungen von behördlicher Seite. Als Basis dienen stattdessen Studien, die von Monsanto selbst in Auftrag gegeben und bezahlt wurden. Es scheint, als käme ein Gen-Ungeheuer auf uns zu.

Eine subjektive Einstellung zur Objektivität

Untersuchungen zu Smartstax gibt es gar nicht so wenige. Sie weisen nach, dass beispielsweise Ratten durch den Mais Tumore bekamen und unfruchtbar wurden. Schweine, die damit gefüttert wurden, erkrankten an Magen und Darm und erlitten schwere Entzündungen. Monsanto ficht all das nicht an. Die Untersuchungen seien allesamt nicht aussagekräftig. Schriftlich äußert sich das amerikanische Unternehmen ebenfalls: „Keine einzige Studie konnte eine toxische Wirkung von gentechnisch veränderten Futtermitteln nachweisen.“ Ein Blick auf die Tiere, an denen die Untersuchungen durchgeführt worden sind, hätte allerdings gereicht, um die doch sehr subjektive Einstellung zur Objektivität einen genauen Prüfung zu unterziehen. Doch der Agrar-Riese hat Macht. Viel Macht.

Ohne erkennbare Gegenwehr

Kritische Stimmen gegen Smartstax gab es schon, und zwar durchaus auch solche, die ein gewisses Gewicht haben sollten. Zum Beispiel das Bundesamt für Naturschutz (BfN). Beatrix Tappeser vom BfN sagte bereits im Juli 2013 gegenüber dem ARD-Magazin „report“, dass sie erhebliche Einwände gegen Smartstax sehe. Der Antragsteller, also Monsanto, habe nicht genügend Daten vorgelegt, um eine Genehmigung zu rechtfertigen. Im gleichen ARD-Bericht äußerte sich auch Wolfgang Köhler, der früher Referatsleiter für Gentechnik im Bundeslandwirtschaftsministerium war. Den überaus starken Einfluss auf politische Entscheidungen in Deutschland und der EU erklärt Köhler so: „Aus meiner Sicht gab es praktisch nie einen Unterschied zwischen Monsanto und der amerikanischen Regierung.“ Köhler meinte damit, dass die US-Regierung diplomatischen Einfluss auf die Zulassung genmanipulierter Produkte genommen hat. Interne US-Papiere bestätigen das.

Krebs durch Glyphosat?

In Smartstax befindet sich unter anderem Glyphosat. Das ist ein Unkrautvernichtungsmittel, das in Verdacht steht, beim Menschen Krebs zu erregen. Der BUND hat europaweit Urintests vorgenommen, die bereits jetzt erhöhte Werte nachweisen, wahrscheinlich bedingt durch die Nahrungsaufnahme. Da Smartstax einen sehr hohen Anteil von Glyphosat mühelos übersteht, wächst die Gefahr, dass die Werte beim Menschen künftig noch höher ausfallen – und das Krebsrisiko weiter steigt.
Monsanto wies auch die Ergebnisse des BUND als nicht aussagekräftig genug zurück. Natürlich.
Deutschland enthielt sich bei der Abstimmung der EU übrigens. Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner begründete das damit, dass Deutschlands Stimme in die eine oder andere Richtung sowieso keinen Einfluss genommen hätte. So kann man das natürlich auch sehen.


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