Patente auf Lebensmittel sind ein hochbrisantes Thema. International wird heftig darüber gestritten, ob und wie solche Patentierungen gehändelt werden sollen. Im Sommer diesen Jahres kam ein weiterer Streitfall hinzu: der Brokkoli.

Brokkoli
© Brad Pict – Fotolia.com

Das Europäische Patentamt gab sich am 12. Juni 2013 unbeeindruckt von internationalen Protesten oder kritischen Stimmen, die gegen die Patentierung von Lebensmitteln sind. Und so erteilte es ein Patent auf Brokkoli, genauer: auf die Pflanze, das Saatgut und den „geköpften Brokkoli“. Hinzu kommt „eine Vielzahl von Brokkolipflanzen, die auf einem Feld wachsen.“ Damit wird der Streit um die Patentierungen von Lebensmitteln neu angeheizt.

Alles in einer Hand?

Auch wenn es das Europäische Parlament nicht gern sah, und auch wenn der deutsche Bundestag sich verärgert zeigte, das Patent für Brokkoli ging an das Unternehmen „Seminis“. Daran konnten selbst die zwei Millionen Unterschriften nichts ändern, die unter der Forderung standen, Patentierungen von Lebensmitteln zu verbieten. Was zunächst relativ harmlos klingt, ist der Teil eines größeren Plans. Geht der in Zukunft auf, wird die Lebensmittelproduktion auf einige wenige große Unternehmen reduziert, die daraus resultierend mit einer gefährlichen Monopolstellung ausgestattet werden.

Widerstand regt sich

Die Welternährungsorganisation FAO zeichnet ein düsteres Bild. In einem Arbeitspapier heißt es, dass die Industrie dabei ist, das Geschäft mit dem Saatgut ganz groß aufzuziehen. Schon jetzt liegt der weltweite Umsatz von Pflanzen, die durch Patente geschützt sind, bei 700 Millionen US-Dollar. Doch das reicht der Industrie noch lange nicht. Geplant sind für das Jahr 2020 Umsätze in einer Höhe von drei Milliarden US-Dollar. Das Europäische Patentamt soll bei den Plänen eine wohlwollende Rolle spielen.

Zahlreiche Organisationen haben sich zusammengeschlossen, um gegen den Trend anzugehen. Unter dem Namen „Keine Patente für Saatgut“ regt sich heftiger Widerstand. Das Ziel ist die Vermeidung der Monopolisierung der Lebensmittelproduktion und der Züchtung von Pflanzen. Denn diese Monopolisierung würde bedeuten, dass die Welt mittelfristig abhängig ist von wenigen Unternehmen, die somit eine gefährliche Macht in ihren Händen hätten. Das ist jedoch schon jetzt der Fall, sodass der Widerstand nur umso schwerer wird.


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