Akazie

(Acacia)

Gattung der Familie Sinnpflanzengewächse. Dieselbe besteht meistens aus Bäumen, seltener aus Sträuchern, die in den heißen Ländern heimisch sind. Sie kennzeichnet sich durch gefiederte Blätter, deren Nebenblättchen meistens in Dornen verwandelt sind, während die zu Köpfchen oder Ähren zusammengestellten Blüten einzeln oder zu mehreren aus den Blattachseln entspringen und eine ungegliederte Hülse hinterlassen, die meist trocken, einfächerig, vielsamig und zweiklappig ist.

Drehfrüchtige Akazie

(A. toruosa)

Mit paarigen und geraden Dornen, achtpaarigen schmalen, flaumigen Blättchen und einzelnen Köpfchen, findet sich im glücklichen Arabien.

Gemeine Akazie

(A. totuosa)

Mit paarigen und ziemlich geraden Dornen, zehnpaarigen und schmalen Blättchen und gehäuften Köpfchen, findet sich a!s mäßiger Baum von Ägypten bis Senegal.

Ägyptische Akazie

(A. seyal)

Mit paarigen geraden Dornen, welche länger als die Blätter sind, zehnpaarigen schmalen und nackten Blättchen, sowie mit gehäuften Köpfchen, ist ein in Oberägypten, Lybien, Nubien und Dongola heimischer Strauch.

Arabische Akazie

(A. arabica)

Mit paarigen und geraden Dornen, fünfzehnpaarigen, schmalen Blättchen, gehäuften Köpfchen und weißfilzigen, wulstigen Hülsen, ist ein hoher, in Oberägypten und Ostindien heimischer Baum mit schuhdickem und etwas gekrümmtem Stamm.

Nilotische Akazie

(A. nilotica)

Gleicht der vorhergehenden, nur hat sie rotbraune und weniger behaarte Zweige und Hülsen. Sie findet sich von Oberägypten bis Senegambien.

Ehrenbergische Akazie

(A. Ehrenbergii)

Mit einpaarig doppelt gefiederten Blättern, 5-9 paarigen, feinfilzigen, graugrünen Blättchen, ist ein 2-3 Meter hoher Strauch mit schwachen, vielbeugigen, bräunlich grauen Zweigen. Dieselbe hat ein mit den zuvor genannten Arten gemeinsames Vaterland.

Die gummigebende Akazie

(A. gummifera)

Mit paarig doppelt gefiederten Blättern, 5-7paarigen kahlen Blättchen, länglichen Ähren und weißgraufilzigen Hülsen ist ein im nordwestlichen Afrika heimischer Baum, dessen obere Äste weißlichgrau und weitbauchig sind, während die Ästchen kahl und braun, und deren pfriemliche Dornen an ihrenm Grunde verwachsen sind. Aus der Rinde des Stammes und der Zweige der eben genannten Arten schwitzt das arabische Gummi und verhärtet sodann an der Luft zu festen, trockenen, spröden, unebenen, runzligen Klümpchen von verschiedener Größe, Farbe und Durchsichtigkeit. Fette, Öle, Äther, Weingeiste lösen das Gummi nicht auf, letzterer schlägt vielmehr die wässerige Auflösung nieder.




Anwendung

Das arabische Gummi hat eine ungemein vielseitige Verwendung. Es wird auch als Nahrungsmittel, besonders als Proviant für Wüstenreisende geschätzt, und die mit dem Einsammeln desselben beschäftigten Sklaven sind auf das Gummi als beinahe ausschließliches Nahrungsmittel angewiesen. In der Heilkunde gebraucht man es als ein angenehmes, einhüllendes, erweichendes Mittel, doch selten allein, sondern meistens in Verbindung mit andern Substanzen oder als Beigabe für andere Arzneikörper. So dient es besonders bei Entzündungen und Reizungszuständen aller schleimhäutigen Organe, ferner bei Vergiftungen, Hautabschürfungen und wunden Stellen, überhaupt überall, wo die Organe gegen die Einwirkung schädlicher Stoffe geschützt werden sollen. Das Pulver zu 0,5-1,0 g mehrere male des Tages wird selten allein verordnet, höchstens kann es bei Vergiftungen der Fall sein, dann aber ist die Gabe größer und wird in Wasser abgerührt. Als Pulver wird es auf die Wunden gestreut, hauptsächlich zum Blutstillen angewendet.

Bei Magenübel, wenn es sich durch häufiges Erbrechen äußert, pulverisiere man arabisches Gummi, mische ein Stück Zimtröhre darunter, und trinke dies mit Wein. Der Erfolg wird nicht ausbleiben. In Rosenwasser aufgelöst, ist es bei Blutspeien zweckdienlich. In den meisten Fällen wird es mit andern Pulvern als Pulvis gummosus verordnet, welches aus 30g Stärkemehl, 30g Süssholzwurzelpulver, 60g pulverisiertem arabischem Gummi, 60g pulverisiertem weißem Zucker besteht, und welches, mit der doppelten Menge Brunnenwasser zusammengerieben, den offiziellen arabischen Gummischleim liefert, ferner wird dasselbe zur Bereitung der Mixtura exota, des Süssholzteiges und des Eibischteiges verwendet. – In der Technik dient es hauptsächlich als Klebstoff. – Schließlich wird aus den unreifen Hülsen der gemeinen, arabischen und nilotischen Akazie der wahre Akaziensaft (Succus Acaciae verae) gepresst und getrocknet, der gegen Augenentzündungen, Lippenschrunden, wackelnde Zähne, Blutspeien, Blutflüsse und uoch viele andere Übel verwendet wird. Auch liefert die getrocknete Hülse der arabischen Akazie unter dem Namen Bablab einen bedeutenden Handelsartikel, der als Gerbstoff inunseren Gerbereien eine wichtige Rolle spielt.

Verek-Akazie

(A. Verek)

Ein 5-7m hoher Baum mit zwölfpaarigen schmalen und oft grauen Blättchen, blassgelben in den Achseln stehenden Uhren und 3cm langen Hülsen. Findet sich am nördlichen Ufer des Senegal, wo selbst diese Akazienart die so genannten Gummiwälder bildet. Sing-Akazie (A. Sing), ein ebenfalls ansehnlicher, in Köpfchen blühender, einzeln am Senegal vorkommender Baum.

Beide Arten liefern das Senegal-Gummi , eine hellere, im allgemeinen mit dem arabischen Gummi übereinstimmende Sorte, die aber in größeren, mehr abgerundeten, rauen, nicht so kleinrissigen und weniger spröden, auf dem großmuscheligen Bruche glasglänzenden Stücken im Handel vorkommt.

Anwendung

Da dieses Gummi im Wasser weniger leicht löslich ist, so wird es zum Arzneigebrauche dem arabischen nachgesetzt, demungeachtet aber bei der Ruhr und Blutflüssen angewendet. In der Industrie braucht man es zum Steifen der seidenen und baumwollenen Zeuge, des Papiers, und zum Auftragen der Farben.

Adansons Akazie

(A. Adonsia)

Ein 10-13m hoher, ebenfalls am Senegal wachsender Baum, der in Köpfchen blüht und von der zuvor genannten Art sich durch gepaarte, gerade, weißliche, flaumige Dornen und 5-6m lange, fast sammetige Hülschen unterscheidet. Er gibt ein rötliches, etwas herbes Gummi.

Anwendung

Dasselbe wird im Handel gewöhnlich dem Senegalgummi beigemischt, das gleichfalls zum Gerben und Färben benützt wird.

Jungfern-Akazie

(A. virginalis)

Ein in Köpfchen blühender, mitttelgroßer Baum mit dreipaarig doppelt gefiederten Blättern, dreipaarigen und rund lanzettlichen Blütchen und langen spiralig gewundenen Hülsen. Dieser auf den Bergen Brasiliens heimische Baum liefert die zusammenziehende brasilianische Rinde.

Anwendung

Diese Rinde, welche als vorherrschenden Bestandteil eisengrünenden Gerbstoff enthält, wird als zusammenziehendes, stärkendes Mittel, besonders gegen Durchfälle und Schleimflüsse in Pulver und Abkochung, sowie in Extrakt und Tinktur empfohlen.

Die zusammenziehende Akazie

(A. Jurema)

Ein ebenfalls in Brasilien heimischer Baum, liefert die Barbatimaorinde, welche im Handel in meistens 5-10cm langen, geraden, breiten, ziemlich dicken, rinnenförmigen, zuweilen auch etwas gerollten oder ganz flachen Stücken vorkommt; dieselben sind mit einer sehr unebenen, schmutzig rotbraunen, höckerigen, der Eichenrinde ähnlichen, dicken Borke bedeckt, und innen rotbraun, stellenweise etwas glänzend, im übrigen geruchlos. Dagegen sind sie aber stark zusammenziehend und etwas bitter.

Anwendung

Diese Rinde, welche, wie die der vorhergehenden Art zum Hauptbestandteil eisengrünenden Gerbstoff hat, wird gegen chronische Diarrhöen, dann im allgemeinen gegen Schleimflüsse, besonders solche der Harn- und Geschlechtsorgane angewendet. Dieselbe soll sich dadurch vorteilhaft auszeichnen, dass sie leicht verdaut wird und keine Verstopfung bewirkt.

Jurema-Akazie

(A. Jurema)

Ist gleichfalls ein Baum Brasiliens, welcher die Jurema-Rinde liefert, die gleichfalls als vorherrschenden Bestandteil eisengrünenden Gerbstoff enthält.

Anwendung

Dieselbe wird gleichfalls gegen Durchfälle und Schleimflüsse empfohlen.

Catechu-Akazie

(A. Catechu)

Ist ein großer, gewöhnlich missgestalteter Baum mit einem vielästigen Wipfel, dessen flaumige Blättchen 30-50 paarig und die Ähren 2cm und darüber lang sind, auf welche länglich-lanzettliche, an beiden Enden zugespitzte, graubräunliche Hülsen folgen. Derselbe findet sich in den ostindischen Gebirgsgegenden, namentlich in Bengalen und Korkmandel.

Der aus dem zerkleinerten Holze und aus den unreifen Hülsen durch Auskochen und Eindicken bereitete Extrakt ist das gebräuchliches Catechu oder die japanische Erde.

Im Handel werden zwei Sorten desselben unterschieden, nämlich 1) Catechu von Bombai, welches in unregelmäßigen, mehrere Dezimeter breiten, ½ – 1cm dicken, unebenen, rauen Stücken vorkommt, die von dunkel oder hellrötlich brauner Farbe, matt- oder schwachglänzend, auf dem Bruche schokoladebraun, ziemlich glanzlos und im Umfange dunkler sind, und 2) bengalisches Catechu, das in länglich runden 3cm langen, 2cm breiten und 17cm dicken, außen sehr rauhen, erdig anzufühlenden Stücken vorkommt, die von schmutzig-graubrauner Farbe, auf dem Bruche kastanienbraun sind und wegen der abwechselnd helleren und dunkleren Schichten wie marmoriert aussehen. Beide Sorten sind geruchlos und besitzen einen sehr zusammenziehenden, etwas bitterlichen, zuletzt schwach süsslichen Geschmack. Sie enthalten als vorherrschenden Bestandteil eisengrünenden Gerbstoff.



Anwendung

Beide Sorten werden als zusammenziehendes Mittel innerlich und äußerlich angewendet, innerlich gegen Blut- und Schleimflüsse, Durchfall und Ruhr, und äußerlich beim Fäule-Zustand des Zahnfleisches. Innerlich gibt man 0,25 -1,0g einige mal des Tages, in Pulver-, Pillen- und Mixtur-Form. Äußerlich wendet man gleichfalls das Pulver, die wässerige Auflösung und besonders die offizinelle Tinktur (1 : 4) an. Zum Gurgelwasser nimmt man 15-30g der Tinktur auf 180g Wasser.

In der Tierheilkunde verordnet man das Catechu, da es fast immer mit fremdartigen Stoffen gefälscht ist, nur höchst selten. Benutzen kann man es innerlich und äußerlich, überall, wo zusammenziehende Mittel am Platze sind; besonders aber hat man es gegen Durchfall und Ruhr, gegen Harnruhr und Blutharnen mit sehr gutem Erfolge angewendet.

Die Gabe ist für Pferde und Rinder 8-15g, für Schafe und Schweine 2-4g, für Hunde 0,6-1g, täglich 3 bis 4mal. Das Mittel lässt sich gleichmäßig gut in Latwerge, in Pillen und in flüssiger Form umwenden. Man gibt es selten allein, sondern in Verbindung mit bitteren und aromatischen Arzneien, bei hartnäckigen Diarrhöen auch mit Opium, Bilsenkraut, gebrannter Magnesia und anderen Alkalien versetzt. Englische Tierärzte empfehlen in solchen Fällen, in welchen mit dem Durchfall zugleich ein gereizter Zustand des Darmkanals und übermässige Säurebildung in demselben besteht, eine Verbindung aus Catechu, für Rinder mit etwa 8-12g, Opium 2-4g und gebranntem Kalk, besser Magnesia oder Kreide 30g täglich 2-3mal wiederholt zu geben.

Die westindische Akazie

(A. farnesiana)

Hat gelbe, sehr wohlriechende, in Köpfchen stehende Blumen und ist ein in Westindien heimischer 5-8m hoher Baum.

Anwendung

Die wohlriechenden Blüten dieses Baumes bilden einen für Parfümerien- und Liqueurfabrikanten sehr wichtigen Handelsartikel. Die Wurzelrinde dient zum Gerben und Schwarzfärben, der Saft zum Kitten, auch kann derselbe zugleich die Stelle der Galläpfel bei der Tintenfabrikation vertreten.

Die schwarzholzige Akazie

(A. melanoxylon)

Ein australischer Baum mit Fiederblättern und blattartig ausgebreitetem Blattstiele, hat ein festes, schweres, in der Kunsttischlerei unter dem Namen Blackwood sehr geschätztes Holz.

Die prächtige Akazie

(A. speciosa)

Gleichfalls ein australischer Baum, hat ebenfalls Fiederblätter und blattartig ausgebreitete Blattstiele.

Anwendung

Das dunkle Holz dieser Art wird in den Schreinerwerkstätten zu den feinsten Arbeiten verwendet.

Bildnachweis: By Fritz Geller-Grimm (Own work) [CC BY-SA 2.5], via Wikimedia Commons

Ähnliche Einträge

Das könnte Dich auch interessieren: