Ammoniakpflanze

(Dorema)

Gattung der Familie Doldenträger, mit kurzem fünfzähnigem, ziemlich vermischtem Kelchrand, eirund-zugespitzten Blumenblättern und einer Frucht, die am Rücken flach Zusammengedrückt und mit einem verbreiterten flachen Rande umzogen ist.

Wahre Ammoniakpflanze

(D. ammoniacum)

Mit 2 Meter hohem, bläulichem oder braungrauem, an den Gelenten rötlichem Stengel, dessen 60cm lange lederige und gestielte Blätter einen flaumhaarigen, am Grunde scheidig erweiterten Blattstiel haben. Den weißen Blüten folgen ovale, auf dem Rücken graubraune, auf der Fugenseite hellbraune Früchte. Findet sich in der Provinz Adschemi, Khorasam und Irack des nordwestlichen Persiens in großer Menge. Der aus allen Teilen der Pflanze entweder von selbst, infolge von Insektenstichen, oder durch absichtliche Verletzung, insbesondere am Ursprung der Doldenstrahlen in Tränen ausfließende und an der Luft erhärtende Milchsaft ist das in der Heilkunde gebräuchliche Ammoniakgummi. Die Bewohner sammeln den Saft, und versenden ihn über Bushire und Bombay nach Europa. Im Handel kommen zwei Sorten vor, nämlich:

  1. Auserlesenes Tränen- oder Körner-Ammoniak

    das aus getrennten oder in Klumpen zusammengeklebten, rundlichen Tropfen, oder eckigen, unregelmäßigen Körnern und Stückchen von der Größe eines Hirsekorns bis zu der einer Haselnuss und darüber besteht, und außen eine weißliche, blasse oder fahlgelbe Farbe und Fett- oder Wachsglanz besitzt, innen aber sich weißlich ansieht.

  2. Ammoniak in Massen oder Kuchen

    aus größeren bis zu 500g. Und darüber schweren Stücken bestehend, die außen fahlgelb, mehr oder weniger ins Braune spielen und von den zuvor beschriebenen tropfen- und mandelartigen Körnern, eine große oder geringere Menge mit andern Unreinigkeiten vermengt, in sich schließen.

Beide Sorten lassen sich bei gewöhnlicher Temperatur kneten und werden schließlich unter den Fingern ganz weich. I n der Kälte jedoch sind sie hart und pulverisierbar, haben einen starken, unangenehmen, dem Bibergeil ähnlichen Geruch und einen ekelhaft bitterlichen, etwas scharfen, im Schlunde lange haftenden Geschmack. Dieselben enthalten: Harz, Gummi und ätherisches Öl. Von dem persischen Ammoniak wird die Sorte in Tränen, da sie die reinere ist, ausschließlich zum innern Gebrauch, die Massenoder Kuchenform äußerlich und in der Tierheilkunde verwendet.




Anwendung

Das Ammoniakgummi wird bei Schlaffheit in den Organen des Unterleibs, gegen zurückgehaltenen und unterdrückten Menstrualblutfluss und veraltete Hämorrhoidalleiden, bei Milzverhärtung, Leberleiden, Gelbsucht, bei trägem Stuhlgang, Hämorrhoidalstockungen, gegen Gicht, bei Hypochondrie und Hysterie, gegen träge Schleimflüsse der Lungen, Geschlechts- und Harnorgane, bei veralteten fieberlosen Lungenkatarrhen, namentlich denen, welche aus unterdrückten Hautausschlägen herrühren oder aus Gicht und Rheuma hervor gegangen sind; ferner beim langwierigen Schleimasthma, gegen Schleimflüsse der Harnblase, der Nieren, der Harnröhre, sodann bei schlaffen Geschwulsten, Verhärtungen und Drüsenanschwellungen, Gelenkwassersucht, Balggeschwulsten, Gichtknoten, chronischen Hautausschlägen und Kopfgrind angewendet. Man gibt das Ammoniakgummi zu 0,3g bis 0,6g bis 2g. als Gabe 2 bis 3 mal täglich in Pillen, Bissen oder flüssiger Form, 8g-12g in 30g-60g essigsaurer Ammoniakflüssigkeit, in Emulsion , 8g auf 4g Mimosengummi oder ein Eigelb, als Lecksaft, jedoch seltener als Latwerge. Die Mixtur bereitet man, indem man 20g Ammoniakgummi allmählich mit 600g Wasser abreibt. Den Syrup stellt man her, indem man 60g Ammoniakgummi in 300g weißem Franzwein löst und mit 480g weißem Zucker zu Syrup eindickt. Um aus demselben ein Pflaster herzustellen, nimmt man je 180g gelbes Wachs und burgundisches Harz und schmilzt die beiden Stoffe zusammen. Ist das Gemische halb erkaltet, so mischt man, nachdem man zuvor 60g Mutterharz bei gelinder Wärme in 120g gemeinem Terpentin hat zergehen lassen, dieses in Verbindung mit 180g Ammoniakgummi darunter.

In der Homöopathie wendet man das Ammoniakgummi gegen den schwarzen Star, Verdauungsschwäche, Kolik und Durchfall, sowie gegen Harnfluss und Schleimfluss der Bronchialschleimhaut an.
Man gibt täglich 0,025g-0,05g-0,10g der 1., 2. oder 3. Verreibung 1 mal täglich nach Umständen. In Krankheiten der Luftwege gibt man kleinere, in denen des Verdauungskanals größere Gaben.

In der Tierheilkunde wendet man das Ammoniakgummi, da es nicht so kräftig als der Asant ist, nicht mehr bei Krankheiten an, bei welchen der Asant mit Erfolg wirkt, doch entsprechen die Gaben des Ammoniakgummis denen des Asant. Der französische Tierarzt Desays wendet dasselbe äußerlich als treffliches Klebmittel an, indem er bei Hornspalten, ausgebrochenem Hufe eine Zusammenschmelzung von 3 Teilen Ammoniakgummi mit 1 Teil Guttapercha herstellt und diese Mischung in noch warmem Zustande in die Spalte bringt, wobei natürlich der Fuß so lange hoch gehalten werden muss, bis das Mittel erkaltet und hart geworden ist.



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