Minze

(Mentha)

Rezepte


Altes Wissen

Gattung der Familie Lippenblümler, mit 5-zahnigem oder 5spaltigem Kelche, trichteriger Blume, deren Saum 4-teilig und fast gleich und dessen oberer Zipfel ausgerandet ist, während die Röhre inwendig keinen Haarkranz besitzt.

Pfefferminze

(M. piperita)

Hat einen, wie bei allen Minzearten, unter der Erde weit verzweigten Wurzelstock, der aufrechte, ½ – 1 Meter hohe, astige, 4-kantige, meist purpurbraun unterlaufene Stengel treibt. Die Blätter sind am Grunde zugerundet, aber dabei doch etwas in den Blattstiel herablaufend, spitz oder zugespitzt, dabei sind sie eben, ungleich scharf gesägt, mit etwas abstehenden Sägezähnen, außerdem an der Spitze und am Grunde ganzrandig, oberseits dunkelgrün, glänzend und unterseits bleicher. Die gipfelständigen Sträuße sind kegelig, walzig und stumpf, wobei die des Hauptstengels von 10 – 12 Scheinquirlen gebildet sind, von welchen die unteren mehr entfernt stehen, dagegen sind die Sträuße der Ähre meist kurz, eiförmig bis fast kugelig. Die unter jedem Scheinquirle angebrachten 2 gegenständigen Deckblätter sind schmal lanzettlich, am Grunde verschmälert, pfriemlich zugespitzt und rauhaarig gewimpert. Die einzelnen Scheinquirle bestehen aus zwei gegenständigen, deutlich gestielten, doldenförmigen Büscheln, während die Blütenstielchen von pfriemlichen Deckblättchen umgeben und, etwa so lang als die Kelchröhre, meist nebst dem Kelche purpurbraun überlaufen sind. Der trichterig röhrige Kelch, dessen Röhre fast doppelt so lang als die Zähne, ist 10-nervig und mit gelben glänzenden Drüsen überstreut. Die Blume, meist wenig länger als der Kelch, ist blass lilarot. Wächst an feuchten Stellen, an Bach- und Flussufern, wird häufig in Gärten kultiviert und blüht im Juli und August. Die Blätter dieser Minze sind als Pfefferminze oder Pfefferminzkraut gebräuchlich. Die Blätter werden vor der Blütezeit gesammelt und getrocknet aufbewahrt. Dieselben besitzen einen starken, flüchtig gewürzhaften Geruch, einen gleichen erwärmenden, Hintennach aber einen auffallend kühlenden Geschmack und enthalten als hauptsächlichste Bestandteile ätherisches Öl und eisengrünenden Gerbstoff.



Anwendung

Das Pfefferminzkraut wird innerlich in wässerigem Aufguss als ein kräftiges, flüchtig erregendes, krampfstillendes und blähungtreibendes Mittel, häufig bei Schwäche und krampfhaften Leiden der Verdauungsorgane, auch äußerlich als belebendes und zerteilendes Mittel im wässerigen und weinigen Aufgüsse zu Umschlägen, Bädern etc. verordnet. Von den Präparaten werden das Pfefferminzöl, das destillierte Wasser, seltener das mit Zusatz von Weingeist bereitete Wasser und die Essenz verordnet. Mit dem Öl werden der Ölzucker und die Pfefferminzzeltchen bereitet. Außerdem bildet das Kraut einen Bestandteil des wohlriechenden Essigs und der aromatischen Species.

In der Tierheilkunde wird das Pfefferminzkraut als Reizmittel bei Verdauungsbeschwerden, bei Krampfkolik, beim Aufblähen, bei falschen und zu geringen Geburtswehen, bei Lähmungen, bei Schwindel etc. angewendet. Die Gabe ist für Pferde und Rinder 15 – 45 g, für Schafe und Schweine 7,5 – 15 g, für Hunde 0,5 – 2 g. Das Mittel wird am besten als Aufguss angewendet, kann aber auch in Pulver und Latwergen gereicht werden. Bei hartnäckigen Zufallen setzt man Kampfer, Baldrian, Hirschhornöl, Opium u.s.w. zu.

Krauseminze

(M. crispata)

Hat kahle Stengel, Blätter, Blütenstiele und Kelche, höchstens sind die Blätter unterseits auf den Adern zerstreut flaumig und die Kelchzähne kurzhaarig gewimpert. Die Blätter selbst sind länglich bis herzförmig eirund, schalig runzelig, am Rande wellig, eingeschnitten gesägt und mit zugespitzten Sägezähnen versehen. Wächst nirgends wild, sondern wird nur in Gärten kultiviert.

Von dieser Art sind die Blätter als Krauseminze oder Krauseminzekraut gebräuchlich. Man sammelt und trocknet die Blätter gleichfalls vor der Blütezeit im Juni. Sie besitzen einen starken, balsamisch gewürzhaften, jedoch minder flüchtigen Geruch, als die Pfefferminze, und einen gewürzhaften, etwas bitterlichen Geschmack, ohne das Gefühl der Kühle auf der Zunge zu hinterlassen, wie jene. Ihre Hauptbestandteile sind ebenfalls ätherisches Öl und eisengrünender Gerbstoff.



Anwendung

Das Krauseminzekraut besitzt gleichfalls eine erregende, jedoch minder flüchtige Wirkung auf die Verdauungsorgane als die Pfefferminze. Es wird daher auf ähnliche Weise, wie diese, besonders aber in solchen Fällen angewendet, in welchen eine minder starke Erregung bewirkt werden soll.
Außer dem Aufguss sind noch das ätherische Öl, das abgetröpfelte Wasser und der Zuckersaft gebräuchlich. Das Kraut bildet ferner nach älteren Vorschriften einen Bestandteil von Mynsichts Sauer-Elixir.

Gegen Grimmen, Kolik, Mutterschmerzen und Abweichen ist folgende Essenz, von der man nach Belieben löffelweise nimmt, trefflich. Eine Hand voll zerstoßener Kümmel, 2 Hände voll Krauseminze, kleingeschnittene Pomeranzenschalen werden in 1 Liter reinem Branntwein, gut verpfropft, 3 – 4 Wochen an die Sonne gestellt, hierauf durch ein Tuch abfiltriert, der Rückstand fest ausgepresst, dazu gegossen und mit 500 g Zucker versüßt. Am besten setz man diese Essenz im Juli an, wo die Krauseminze am kräftigsten ist.

In der Tierheilkunde wird die Krauseminze ebenso wie die Pfefferminze verwendet.

Bildnachweis: I, KENPEI [GFDL, CC-BY-SA-3.0 or CC BY-SA 2.5-2.0-1.0], via Wikimedia Commons



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