Pfeffer
(Piper)

Gattung der Familie Pfeffergewächse mit in Ähren stehenden, nackten Blüten, von welchen jede von einem schuppenförmigen Deckblatt gestützt ist, und einer einsamigen, mit dünnem Fleisch versehenen Beere.

Schwarzer Pfeffer

(P. nigrum)

Hat einen fingerdicken, stark verasteten, an Baumstämmen 4 – 5 Meter und höher hinaufklimmenden Stengel, der nebst den Ästen an den Gelenken knotig verdickt, glatt und wie die Blätter, durchaus kahl ist. Die gestielten, 12 – 18 cm langen, und 6 – 9 cm breiten Blätter sind am Grunde meistens etwas ungleich und da selbst spitzlich oder abgerundet, zuweilen auch schmal herzförmig, oberseits gesättigt grün und schwach glänzend. Die Blattstiele der oberen Blätter sind 18 – 27 mm lang, die der unteren doppelt länger und rinnig. Die schlanken Ähren sind blattgegenständig, 9 – 15 cm lang und ihre Spindel ist mit länglichen, schildigen Deckschuppen dicht besetzt. Die Beeren sind kugelig, erbsengroß, vor der Reife grün und dann rot. Wächst in Ostindien, hauptsächlich in den Wäldern von Malabar wild, und wird dort, wie auf dem indischen Archipel im großen angebaut. Von diesem Strauch kommt der schwarze Pfeffer und der weiße Pfeffer in den Handel.
Der schwarze Pfeffer besteht aus den vor der Reife abgenommenen und getrockneten Beeren, welche dann graulich oder bräunlich schwarz und netzig runzlig erscheinen, unter der dünnen Fruchthülle einen kugeligen, weißen Samen enthalten, einen eigentümlichen, gewürzhaften Geruch, einen ähnlichen, dabei brennend scharfen Geschmack besitzen und als hauptsächliche Bestandteile scharfes Harz, ätherisches Öl und Piperin enthalten.
Der weiße Pfeffer besteht dagegen nur aus den fast kugeligen, am einen Ende mit einer nabelartigen Vertiefung, am andern mit einem kurzen Spitzchen versehenen, graulich oder bräunlich weißen, teils gestreiften oder runzeligen, von der Fruchthülle befreiten Samen, welche durch mehrwöchentliches Eingraben, oder Einweichen der Früchte in Wasser, einem Teil von ihrer Schärfe verloren haben, sonst aber dem schwarzen Pfeffer sich ähnlich verhalten.



Anwendung

Beide Sorten wirken stark reizerregend auf die Verdauungsorgane und werden auch die ganzen Körner oder das Pulver bei Verdauungsschwäche, ebenso bei Wechselfieber angewendet, wobei aber ein unvorsichtiger Gebrauch leicht nachteilige Folgen haben kann. Außerdem wird der Pfeffer bei Harnverhaltung, Ausbleiben der Regeln und bei mit Herzweh verbundenen Nervenleiden empfohlen. Der weiße Pfeffer bildet einen Bestandteil des wohlriechenden Pulvers.

In der Tierheilkunde wird der schwarze Pfeffer bei lang dauernden Verdauungsbeschwerden, beim Aufblähen der Wiederkäuer gegeben und auch gegen Lähmungen und zur Erregung des Geschlechtstriebs bei trägen Kühen und Stuten mit Erfolg versucht. Äußerlich verwendet man ihn als Reizmittel auf veraltete schlaffe Geschwüre, zur Zerteilung harter Geschwülste und endlich bei Lähmungen, für den innerlichen Gebrauch gibt man Pferden und Rindern 3,75 – 15 g, Schafen 1,875 bis 3,75 g, Hunden 0,1 – 0,75 g in Latwergen oder Pillen, meistens jedoch in Verbindung mit bitteren oder schleunigen Substanzen. Stets muss jedoch der Pfeffer vorher fein gepulvert sein, indem er, in Körnern gereicht, unverdaut wieder abgeht. Schweinen gibt man diese Arzneimittel nicht in Pulverform, weil es bei unvorsichtigem Eingeben leicht in den Kehlkopf gelangen und Erstickungsfälle veranlassen kann. Äußerlich kann man den Pfeffer in Form einer aus 1 Teil gepulvertem Pfeffer und 8 – 12 Teilen Schweinefett bestehenden Salbe als Reizmittel benutzen. Statt des Pfeffers in Substanz verwenden manche eine aus 1 Teil pulverisiertem Pfeffer und 6 Teilen Weingeist bereitete Tinktur, von der man größeren Haustieren 15 – 60 g, Schafen 3,75 – 15 g und Hunden 10 – 30 Tropfen verabreicht. Dieselbe ist auch für den äußerlichen Gebrauch verwendbar. Auf dieselbe Weise benutzt man den weißen und äußerlich den spanischen Pfeffer.

Kubeben – Pfeffer

(P. cubeba)

Wie der vorige ein klimmender Strauch, der nebst den älteren Ästen und den Blättern kahl ist, nur die jüngeren Zweige und die Blattstiele sind zart flaumig. Die auf rinnigen Blattstielen stehenden Blätter sind oberseits hellgrün und glänzend, unterseits matt mit vorspringenden Adern und Nerven versehen. Die blattgegenständigen Ähren haben sehr kurze fitzende Deckschuppen und 2häusige Blüten. Die kugeligen Beeren sind von der Größe der Pfefferkörner. Wächst in Ostindien und auf einigen Inseln des indischen Meeres wild und wirb dort, besonders aber in Siam und Cochinchina, gepflegt.
Die vor der Reife gesammelten und getrockneten Beeren sind die gebräuchlichen Kubeben. Sie gleichen in Größe und Aussehen den schwarzen Pfefferkörnern, haben aber eine mehr in’s braunschwarze ziehende Farbe und schmälere, weniger stark vorspringende Runzeln.
Sie unterscheiden sich aber hauptsächlich von denselben durch ihren Stiel, der so lang oder länger als die Beere und gleichsam nur eine Fortsetzung derselben ist, da die aderähnlichen Runzeln der Fruchtteile unmittelbar in denselben übergehen. Der Geruch und Geschmack sind gleichfalls pfefferartig, nur weniger stark und angenehmer, der letztere zugleich etwas kampferartig. Die wichtigsten Bestandteile sind ätherisches Öl und scharfes Harz.



Anwendung

Die Wirkung des Kubebenpfeffers ähnelt der des schwarzen Pfeffers, nur ist er milder und hat einen gewürzhaften Charakter, doch wirkt er immerhin, noch sehr kräftig erregend auf die Verdauungsorgane und besonders auch auf die Schleimhäute. Die Kubeben werden daher auch häufiger als der Pfeffer in der Heilkunde angewendet, und zwar teils in denselben Fällen, in welchen dieser Verwendung findet, teils und öfter noch bei Schleimflüssen der Geschlechtsorgane, bei Tripper, vor oder nach der Entzündungsperiode, in Pulver oder in Pillenform. Bei der fallenden Sucht kocht man Kubeben mit Rosmarin in Wein und trinkt dies.
In der Homöopathie gilt die Tinktur auch als ein wirksames Mittel gegen den Tripper.

Langer Pfeffer

(P. longum)

Hat eirunde oder längliche, am Grunde schief herzförmig zugespitzte, 3 – 5-nervige Blätter, deren untere lang gestielt, die oberen fast sitzend sind. Insbesondere macht sich dieser Strauch durch lang gestielte, walzige, bei der Reife 24 – 30 m lange und gegen 9 mm dicke, hellbräunlich graue, einem Fruchtkolben ähnliche Ähren mit zusammen gewachsenen Beeren bemerklich. Wächst gleichfalls in Ostindien und es werden dort die getrockneten, noch nicht völlig reifen Fruchtähren, die einen schwächeren Geruch, aber einen noch schärferen Geschmack, als der schwarze Pfeffer besitzen, sehr geschätzt.

Anwendung

Der lange Pfeffer ist bei uns nicht mehr im medizinischen Gebrauch, dagegen bildet er als Gewürz wie der schwarze Pfeffer einen bedeutenden Handelsartikel. – Hier wollen wir nicht verfehlen, des z. Z. mit so großem Geschrei der leidenden Menschheit angepriesenen „Baunscheidt’schen Lebensweckers“ zu gedenken. Bekanntlich sollte derselbe nach Angabe des Verkäufers gegen alles gut fein, mit Ausnahme gegen den Tod, diese Ausnahme ließ auch der Erfinder gelten, und das liebe Publikum wandte den Lebenswecker und dessen geheimnisvolles Öl, denn darin eben lag das ganze Geheimnis, da sich am Ende jeder mit Nadeln stechen konnte, vertrauensvoll, hie und da auch mit Erfolg an. Aus was besteht nun das kostbare Öl? Aus nichts anderem, als dem ätherischen Öl des langen Pfeffers, das durch Olivenöl verdünnt worden. Herr Baunscheidt aber sprach von Mückengift, das in dem Öl seine heilsame Wirkung äußere u.s.w.

Bildnachweis: Rainer Zenz at the German language Wikipedia [GFDL or CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons



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