Safran

(Crocus)

Gattung der Familie Nohrkolbengewächse mit sehr langer, am Grunde dem Fruchtboden angewachsener Blütenhüllenröhre, trichterig-glockigem, mit ziemlich gleichen Zipfeln versehenem, 6teiligem Saume, und mit im Schlunde der Blütenhülle befestigten Staubgesässen. Alle Arten haben knollenförmige, feste, mit faserigen Hallten umkleidete Zwiebel, welche auf ihrem Scheitel die jungen Zwiebel tragen und dadurch oft gedoppelt aussehen.

Echter Safran

(C. sativus oder verus)

Hat eine plattkugelige Zwiebel von der Größe einer kleinen Wallnuß, die nach unten stark bezasert ist und nach oben 1 oder 2 neue Zwiebeln treibt, während die alte alljährlich abstirbt und oft noch als eine vertrocknete Scheibe zurückbleibt. Die feinfaserigen Häute derselben sind hellbraun, die grundständigen mit den Blüten erscheinenden, aber erst später sich entfaltenden Blätter sind linealisch, stumpf, am Rande zunickgerollt, dunkelgrün und haben einen weißen, unterseits flachen Mittelnerven, zugleich sind alle zusammen am Grunde von 4-6häutigen, schief gestutzten Scheiden umschlossen, von welchen die innern immer länger sind als die äußeren. Die zu zwei, selten einzeln aus der oberen jüngeren Zwiebel entspringende Blüte ist je mit einer 2bättrigen, häutigen Blütenscheide von der Länge der Blütenhüllröhre umgeben, hiezu kommt noch eine gemeinschaftliche kurze 1blättrige Blütenscheide, die am Grunde des kurzen, nebst dem Fruchtknoten unter der Erde verborgenen Blütenstiels angebracht ist. Die blaßviolette Blütenhülle ist mit dunkleren, fast purpurroten Streifen gezeichnet. Ist im Oriente heimisch und wird in mehreren Ländern Asiens und des südlichen und mittleren Europas — in der Türkei, in Italien, Spanien, dem südlichen Frankreich, auch im wärmeren Wallis, in Südtirol, in Österreich unter der Enns, und selbst im südöstlichen England — mehr oder weniger im großen angebaut. Blüht in den Monaten September und Oktober.
Die aus den Blüten gezupften Narben bilden getrocknet den Safran des Handels.
Man sammelt den Safran sofort nach dem Aufblühen, wobei man bedacht ist, nur den oberen dunkel gefärbten Teil des Griffels mit abzunehmen. Man trocknet ihn hierauf, dünn ausgebreitet, an der Luft in der Sonne oder die besseren Sorten mittelst künstlicher Wärme.
Der Safran besteht sonach aus den drei am Grunde verwachsenen röhrenförmigen, etwas plattgedrückten, nach der Spitze hin verbreiterten Narben, die am oberen Ende etwas gezähnt, und auf der inneren Seite von oben herab einen Spalt zeigen. Getrocknet stellt er Centimeterlange fettig-glänzende Fäden von dunkel-orangeroter Farbe dar, die einen durchdringend-aromatischen Geruch, einen bitter-gewürzhaften Geschmack besitzen und beim Kauen den Speichel stark gelb färben. Der Safran enthält ätherisches Öl und einen eigentümlichen Farbstoff, Crocin, als vorherrschende Bestandteile. Unter den verschiedenen im Handel vorkommenden Sorten verdient heutzutage zuerst erwähnt zu werden:

1. Safran von Gatinais im Bezirk Pithiviers, Dep. du Loiret.

Er besteht aus langen, breiten und dicken Fäden von schöner Farbe und ist nur am unteren Ende etwas gelblich. Man unterscheidet den künstlich getrockneten von lebhafterer Farbe als Safran d’Orange, von dem an der Sonne getrockneten Safran du Comtat. Geringere Sorten enthalten immer gelbe Fäden — Staubfäden — beigemischt, wonach sich natürlich die Qualität richtet.

2. Spanischer Safran

Die bessere Qualität ist dem besseren französischen ähnlich, nur ist diese Sorte trockener und sind die Fäden dünner und länger. Die geringeren Qualitäten dieser Sorte sind nicht selten mit Öl durchtränkt.

3. Persischer oder levantinischer Safran.

Diese Sorte war früher bei uns sehr geschätzt, wurde aber durch den französischen Safran verdrängt und hat auch leider ihren Ruf dadurch eingebüsst, dass sie besonders mit Öl getränkt wurde, wodurch sie meist einen ranzigen Geruch annimmt. Noch kommen im Handel der österreichische, italienische und englische Safran vor, die aber kaum hinreichen, das lokale Bedürfnis zu decken.




Anwendung

Der Safran wirkt stark erregend auf das Nervensystem, in etwas größeren Gaben dagegen abspannend und krampfstillend, in zu großen Gaben erzeugt er aber Blutandrang nach dem Kopfe, Blutfluß, zumal der Gebärmutter, Betäubung und selbst Schlagfluß. Er wird angewendet bei krampfhaften Leiden der Brust, der Verdauungsorgane und der Gebärmutter, bei Tiefsinnigkeit und unterdrücktem Monatsfluß in Pulver, Aufguß und verschiedenen Präparaten, seltener äußerlich in Breiumschlägen bei erschlafften Geschwülsten als erregendes und zerteilendes Mittel.

In der Homöopathie wird der Safran bei Anlage zu Blutandrang und zu Entzündungen, ferner bei hysterischen, zu Krämpfen oder Fehlgeburt geneigten, in den klimaterischen Jahren sich befindenden Frauen, bei Zuständen, welche sich durch einen auffallenden Wechsel entgegengesetzter Erscheinungen auszeichnen, mit Erfolg angewendet. Derselbe wird ferner bei Blutflüssen, Veitstanz, krampfhaftem Gähnen, Schwermut, Schwindel und Kopfweh, hartnäckigem Augenliderkrampf, Nasenbluten, Menstruationsbeschwerden, Mutterblutflüssen, Brustfellentzündung angewendet. Man gibt 1 Tropfen der reinen Tinktur oder der 1., 2. Verdünnung alle 2/2—2, 3 Stunden und wiederholt die Gabe je nach den Umständen 2—3mal täglich.

In der Tierheilkunde wird der Safran bei der Staupe der Hunde, bei Mangel an Wehen zur Zeit der Geburt als Arzneimittel empfohlen, ist aber zu teuer und durch anders Mittel zu ersetzen.

Bildnachweis: By Hubertl (Own work) [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons



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