(Smilax)

Gattung der Familie Smilaceen mit 2 häusigen Blüten, tief 6 teiliger ausgebreiteter Blütenhülle und einer 1 – 3 fächerigen, 1 – 3 samigen Beere.

Medizinische Stechwinde

(S. medica)

Ist ein hoch aufklimmender, immergrüner Schlingstrauch mit einem vielbeugigen Stengel. Dieser ist samt den Ästen am Ursprung der Blätter knotig-verdickt und an den unteren Knoten mit 6 – 8 geraden, pfriemlichen Stacheln und außerdem mit spärlichen, hakig gekrümmten Stacheln zwischen den Knoten besetzt, oberwärts aber unbewehrt. Die dünnen, papierartigen, aber derben Blätter sind sehr verschiedenartig gestaltet, nämlich eirund, fast geigenförmig, am Grunde geöhrt, bis fast spießförmig, mit stumpfen, bald kurzen, bald sperrig vorgezogenen Lappen, kurz, zugespitzt, kahl, gleichfarbig und zwischen den unterseits vorspringenden Nerven netzaderig. Die unteren Blätter sind groß, 18 cm lang und am Grunde 12 – 18 cm breit. Die Blattstiele verbreitern sich nach unten scheidig. Die Blüten bilden einfache winkelständige Dolden, von welchen die weiblichen Dolden 8 bis 12 blütig sind. Der gemeinschaftliche Blütenstiel ist 3 – 4 ½ cm lang und die Blütenstielchen etwa 3 mm lang. Die kugeligen, 1 Mm. im Durchmesser haltenden Beeren sind hochrot und 3 samig.

Wächst in Mexiko in den Wäldern bei Pavantla, Misantla, Naulla und Tuspan.

Offizinelle Stechwinde.

(S. officinalis)

Ist ebenfalls ein Schlingstrauch mit 4kantigem Stengel. Die ledengen Blätter sind zwi- schen den Nerven netzaderig, von welchen die unteren 30 Ctm. lang und 12—15 Ctm. breit und spitz, die oberen schmäler, lang zugespitzt und Znervig sind. Blüten und Früchte sind unbekannt.

Wächst im südlichen Columbien an den Ufern des Amazonenstromes und am Magdalenenflusse.

Lustseuche-Stechwinde.

(S. syphilitica)

Ist gleichfalls ein Schlingstrauch, der an den Knoten zu 2 – 4 stehende, gerade, kurze und dicke Stacheln hat und dessen Blätter 30 cm lang, lederig und glänzend, seine Blüten und Früchte aber unbekannt sind.

Wächst in Columbien am Lassiquiara.



Traubige Stechwinde

(S. cordatovata)

Ist ebenfalls ein Schlingstranch, wie die vorigen, mit spärlichen Stacheln besetzt, deren Form man bis jetzt noch nicht kennt.

Wächst im französischen Guyana und in Brasilien.

Diese vier Arten werden in neuerer Zeit mit Bestimmtheit als die Mutterpflanzen der Sarsaparill- oder Sassavarillewurzel angenommen. Die Sarsaparillewurzel besteht im allgemeinen aus federspuldicken, auch dickeren und dünneren, 60 – 120 cm langen und längeren, völlig knotenlosen und ungegliederten Wurzelzasem, welche an sich zwar einfach, aber doch der Länge nach mit zerstreuten, kurzen, südlichen, astigen Nebenzasern mehr oder weniger reichlich besetzt, meist stark längsrunzelig gefurcht, seltener nur schwach runzelig oder längsrillig sind. Sie haben eine heller- oder dunkler-braune, gewöhnlich durch grau getrübte, zuweilen auch in’s gelbe oder rote neigende Farbe und zeigen auf dem Querschnitte eine dickere oder dünnere, stärke mehlreiche Rindenschicht von weißer, rötlicher, seltener gelblicher Farbe, die einen leicht trennbaren, strangförmigen Kern umgibt, der in seinem holzigen, blass-gelblichen oder bräunlichen Umfange zahlreiche Poren, die Öffnungen durchschnittener Gefässe, bloßlegt, in der Achse aber eine weiße, Stärkemehl führende Markröhre erkennen lässt.

Sie besitzen keinen oder höchstens in größeren Massen, einen schwachen erdigen Geruch und einen unbedeutenden mehligen Geschmack, der bei manchen Sorten Hintennach mehr oder weniger schärflich und kratzend oder schwach bitterlich ist, und enthalten, außer vielem Stärkemehl und anderen mehr verbreiteten Stoffen als besonderen Bestandteil einen scharfen und kratzenden, weder sauer noch basisch rückwirkenden Stoff, das Secitacin oder Sassaparin.
Nachstehende Sorten kommen im Handel vor:

  1. Die Honduras- Sassaparille.

    Diese in Deutschland fast allgemein vorgezogene Sorte Wird an der östlichen Küste von Zentralamerika gesammelt und kommt von Belize, Guatemala und Snalejo über New York in den Handel. Man unterscheidet zwei Arten, die sich schon an der eigentümlichen Verpackung leicht von einander unterscheiden lassen.

    Es sind nämlich bei den Wurzelstöcken Stengelreste und dann sind die einzelnen Wurzelsysteme so in Ballen vereinigt, daß die Wurzelstöcke in der Mitte liegen, während die Nebenwurzeln von rechts und links bogenförmig gegen die Stengelreste hereingeschlagen sind, oder man lässt die Wurzel in ihrer natürlichen Lage und schlägt die Nebenwurzeln gegen diese einfach mehrmals ein, so das in den Ballen die Wurzelstöcke nach außen, die Wurzeln aber nach innen zu liegen kommen. Bei den besseren Sorten sind die Knollstöcke entfernt, bie Nebenwurzeln der Länge nach zu armdicken Bündeln zusammengelegt, oben und unten eingeschlagen und der ganzen Länge nach mit der gleichen Wurzel umwickelt, so daß die Wurzeln nur an beiden Enden eine Hand breit frei bleiben.

    Die Länge und Dicke solcher Bündel ist sehr, und die Farbe gleichfalls verschieden, letztere zwar meist eine gelbbraune, stellenweise mit rötlichem Hauche, jedoch auch eine helle und rotbraune. Die Dicke der einzelnen Wurzeln beträgt 3 – 6 mm.

    Ihr Querschnitt ist fast stets stielrund, weil diese Sorte nur selten gefurcht vorkommt. Die Rindensubstanz erscheint meist mehlig-weißgrau oder rötlich, seltener etwas hornartig. Das Mark ist stets rein weiß, mehlig, ohne Gefäßporen, ziemlich groß und rein abgegrenzt vom salzigen Teile. Geruch fehlt wie bei allen Sorten, der Geschmack ist beim Kauen schwach aromatisch, etwas kratzend. Die Abstammung ist nicht bekannt, doch lässt das Vorkommen reichlicher oder spärlicher Wurzelfasern vermuten, dass nicht nur eine Art diesen Stoff liefert.

    Eine mitunter als Granada-Sassaparille bezeichnete Sorte dürfte bis auf die mehr bräunliche Farbe mit der Honduras gleich sein.

  2. Caracas-Sassaparille.

    Diese Sorte kommt aus dem Hafen von Lagnayra im Staats Venezuela in mit Riemen gebundenen Bündeln von etwa 50 Kilo in Handel. Die Wurzelstöcke sind meist vorhanden, und die einzelnen Wurzelsysteme mit einer Wurzel zu einem Bündel umwickelt, oder sie liegen einfach aufeinander. Die Dicke der Nebenwurzeln ist meist die gleiche wie bei Honduras, die Farbe aber ist gleichmäßig und zwar eine matte, helle Lehmfarbe. Auf dem Querschnitt erscheint die Rinde weiß, mehlig, der Holzring sehr schmal, das Mark fast so breit als der Durchmesser der Rinde.

    Diese Sorte geht meist nach Frankreich. Auch die S. da Cotta scheint hierher zu gehören. Die Abstammung dieser Handelssorte ist gleichfalls unbekannt, selbstverständlich die direkte.

  3. Jamaika-Sassaparille.

    Diese Sorte wird ausschließlich in England verwendet. Dieselbe soll angeblich von der Mosquitoküste, von Honduras und von San Juan über Jamaika nach England kommen, wo sie ihrer zahlreichen Wurzelfasern wegen als „red bearded S.“ bezeichnet wird. Man findet sie ohne Knollstöcke, in Gestalt loser, flachgedrückter, 45 cm langer und etwa 12 cm breiter Bündel, deren Durchmesser etwa 5 cm beträgt, welche außen locker mit einigen Wurzeln spiralig umwunden, die Form eines langgestreckten Eirunds darstellen. Die Dicke der ziemlich gleichmäßigen Wurzeln beträgt 3 – 6 mm Dieselben sind von rein brauner Farbe, wenig gefurcht und meist rundum mit zahlreichen, etwas helleren Wurzelfasern bedeckt.

    Der Querschnitt zeigt eine etwas harte, dünne, hornartige Rinde, das Mark ist meist mit einzelnen Poren versehen, der Holzring dagegen großporig, mitunter ist auch die Rinde weiß und infolge dessen stärkemehlreich. Auch ihre direkte Abstammung, d. h. von welcher der oben genannten Arten sie gewonnen wird, ist nicht bekannt.

  4. Manzanilla-Sassaparille.

    Diese Sorte ist bei uns etwa seit 10 Jahren bekannt und kommt aus dem Hafen von Manzanilla, m der Limonbay des Isthmus von Panama. Dieselbe, deren direkte Abstammung ebenfalls nicht bekannt ist, gehört zu den stärksten und mehlreichsten Sorten und besitzt eine matt-gelbrötliche Farbe. Die Knollstöcke, welche immer dabei sind, erscheinen groß und dick, meist stark von Insekten zerfressen. Die unregelmäßig um dieselben geschlagenen Wurzeln, sind bis 1,25 Meter und darüber lang und 3 – 6 mm dick und außen stark längsfurchig. Die Rinde löst sich leicht vom Holzringe ab, zeigt eine mehlige Beschaffenheit und auf dem Querschnitte eine weiße Farbe. Das Mark ist groß und enthält einzelne Gefässporen.

  5. Lissaboner-, Para-, oder Maranhao-Sassaparille.

    Wird im deutschen Handel am teuersten bezahlt. Dieselbe wird in den Urwäldern Brasiliens an den Seitenflüssen des Amazonenstromes gesammelt und erhielt ihre erste Benennung daher, weil sie früher über Lissabon in den Handel gelangte, gegenwärtig wird sie von Para, Marauhao, Parahibo und Vahia ausgeführt und gelangt teils über London, teils über Hamburg zu uns. Die direkte Abstammung ist gleichfalls unbekannt, aber ihre Qualität ist eine sehr gute.

    Die Knollstöcke sind in der Regel entfernt, und die einzelnen Wurzeln der Länge nach zu 1 – 1,50 Meter langen, armdicken, oben und unten abgeschnittenen Bündeln vereinigt, welche an mehreren Stellen mit Papierstreifen umwickelt und darüber gebunden sind. Die einzelnen Bündel werden zu größeren Ballen von 20 bis 30 cm Durchmesser vereinigt und mit einer der Länge nach gespaltenen Liane dicht umwickelt. Die Dicke der einzelnen Wurzeln beträgt 3 – 9 mm, ihre Farbe schwankt zwischen gelbbraun und braun, früher war letztere infolge von Rauch oft schwärzlich. Auf dem Querschnitt erscheint der Durchmesser der Rinde so stark als der des Marks, ihre Farbe ist weiß oder blassrötlich und das Holz schmal und wenig porös.

  6. Veracruz-Sassaparille.

    Lima-, Tampico-Sassaparille, Sassaparillao du Costa, Sassaparillao de Tuspan ist durchschnittlich eine sehr schlecht aussehende Ware, die in Gestalt großer, mit Stricken zusammengeschnürter Ballen von 75 – 150 Kilo in den Handel kommt, in den Wäldern Menko’s gesammelt und von Veracruz aus versandt wird. In der Regel sind die Knollstücke beigegeben und es sind dann die Wurzeln gegen die Stengelreste herausgeschlagen und die Knollstücke darin verborgen. Die Länge der Wurzeln ist verschieden, die Farbe infolge anhängender Erde heller oder dunkler rehbraun, die Rinde tief längsfurchig, der Holzring sehr breit und porös und in dem schmalen Mark sind stets einige Gefässbündel zerstreut. Die Rinde erscheint auf dein Querschnitt hornartig, dunkel und start zusammengesunken, das Mark aber mehlig und weißlich.

    Diese Sorte ist in der Regel sehr gering, wobei oft die Rinde auf viele Zentimeter Länge abgelöst ist. Ebenso lässt die Verpackung sehr zu wünschen übrig, da sich oft große Steine in diesen Bündeln vorfinden.

  7. St. Thomas-Sassaparille, oder Jamaika-Sassaparille des deutschen Handels

    Kommt trotz der Bezeichnung „deutsch“ doch selten bei uns im Handel vor. Die Knollstücke fehlen hier, die einzelnen, bis 6,50 mm dicken Wurzeln sind von verschiedener Länge und hell-orangeroter, gelblicher, oder braunroter Farbe. Aus dem Querschnitte zeigt sich die Rinde sehr breit und mehlig, und stäubt beim Zerbrechen der Wurzel. Das Mark enthält gleichfalls einige Gefäßbündel.

Von allen diesen Sorten sind die Honduras, Caracas und Lissaboner allein zulässig. Die Verwendung der allein nach England kommenden Jamaikasorte verbietet sich von selbst durch ihren hohen Preis, die anderen Sorten sind meist zu schlecht, und darum fast wertlos.



Anwendung

Die Sassaparillewurzel wird als ein erregend auf die Absonderungsorgane wirkendes, besonders als kräftiges, schweiß- und harntreibendes Mittel geschätzt und vorzüglich bei syphilitischen Krankheiten, seltener bei gichtischen und rheumatischen Leiden, oder bei flechtenartigen Hautausschlägen angewendet.

Sie wird am häufigsten in Abkochung für sich, oder mit anderen Mitteln in Speziesform verordnet. Gebräuchliche Zusammensetzungen sind der stärkere und schwächere Zitimann’s Trank, weniger der zusammengesetzte Zuckersaft und als Präparat der wässerige Auszug.

In der Homöopathie gehört die Sassaparillewurzel auch unter die Heilmittel gegen Krätze. Die Tinktur der gepulverten Wurzel wird unter anderem als wirksam gegen Milchschorf, langanhaltenden Frieselausschlag und gichtische Beschwerden, dann auch gegen Verstopfung und gegen Blasen- und Nierenstein empfohlen.

China-Stechwinde

(S. China)

Ist ein Schlingstrauch, mit einem knollenförmigen, höckerigen, fast holzigen und wenig bezaserten Wurzelstock und mit stark hin- und hergebogenen Ästen, die nur unterwärts mit zerstreuten, kurzen Stacheln besetzt sind. Von den lederigen, zwischen den Nerven netz-aderigen Blättern sind die untern 9 – 12 cm lang und fast ebenso breit, die oberen aber kleiner.

Die scheidig-verbreiterten Blattstiele setzen sich über dem scheidigen Teile nur wenig fort und an der letzten Verzweigung bestehen sie nur noch aus einer blattlosen Scheide. Am Ursprung der Äste findet sich ferner noch eine blatt- und rankenlose, dem scheibigen Blattstiele gegenständige und von diesem umfasste, klappenförmige Scheide. Die kleinen, gelblich-grünen Blüten bilden winkelständige Dolden.
Die kugeligen Beeren sind von der Größe kleiner Kirschen, dabei rot und haben ein trockenes, schwammiges Fleisch und 4—6 Samen.

Wächst in China und Japan.

Der Wurzelstock dieser Stechwinde ist die morgenländische, echte, oder schwere Chinawurzel, oder Pockenwurzel.

Derselbe kommt in 9 – 24 cm langen, 3 – 6 cm dicken, etwas zusammengedrückten, oft gekrümmten, höckerigen, teils unregelmäßig-runzeligen, teils mehr glatten Stücken im Handel vor, die außen rötlichbraun, innen fleischrötlich, in’s weißliche oder bräunliche spielend sind.

Außerdem sind dieselben fest, hart, schwer, geruchlos, von einem faden, schwach bitterlichen, Hintennach etwas reizenden und derben Geschmack und enthalten außer Stärkemehl hauptsächlich einen kratzenden Auszugstoff.



Anwendung

Dieses Arzneimittel besitzt ähnliche Wirkung, wie bie Sassavarillewurzel, und wird auch gegen die nämlichen Leiden, zumal gegen gichtische Zufälle empfohlen. Wird indessen nicht so häuslich, wie diese, angewendet, bildet jedoch einen Bestandteil des antisyphilitischen Syrups.
Bildnachweis: By Shih-Shiuan Kao (originally posted to Flickr as DSC_1157) [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons

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