Wacholder

(Juniperus)

Gattung der Familie Zapfenbäume, mit 2 häusigen, am Grunde in dachige Deckblätter gehüllten Blüten und einer aus den verwachsenen, fleischig gewordenen Fruchtblättern gebildeten Beere.

Gemeiner Wachholder

(J. communis)

Ist ein immergrüner, 1 – 2 Meter hoher Strauch mit grauer oder rötlich-brauner Rinde und ausgesperrten Ästen. Derselbe tritt aber auch als ein 4 – 5 Meter hoch werdender Baum auf. Die sitzenden Blätter sind oberseits in der Rinne weißlich, an den Rändern und unterseits hellgrün. Die einzeln in den Blattwinkeln stehenden männlichen Blüten sind länglich rund, stumpf und sehen einem schuppigen Kätzchen ähnlich, die weiblichen sind astförmig und gleichen einem schuppigen Knöspchen.

Die Beeren sind im ersten Jahre eiförmig und grün, im folgenden Jahre fast kugelig und schwärzlich, dabei immer mit einem hechtblauen, leicht abwischbaren Reife belegt.

Wächst auf waldigen Bergen, dürren Hügeln und Heiden in ganz Europa bis in den höchsten Norden hinauf und blüht im April und Mai.

In der Heilkunde werden die Früchte — Wachholderbeeren — und das Wachholderholz verwendet.
Die Beeren haben die Größe eines Pfefferkorns oder einer Erbse und sind nach Abwischung des Reifes glänzend braun-schwarz und am Grunde meist noch mit dem beschuppten kurzen Fruchtstielchen versehen. Auf dem Scheitel hat die Beere drei kurze Leisten oder Höckerchen und dazwischen meist drei zusammenstoßende Rillen. Unter ihrer lederigen Außenhaut birgt die Beere ein rostbräunliches mehlig-weiches Fleisch und drei harte schief-eiförmige, kantige, runzelige, rotbraune Samen, die, zumal auf glühenden Kohlen, einen angenehmen balsamischen Geruch entwickeln und einen süßlichen, gewürzhaften, etwas harzigen und reizenden Geschmack besitzen. Sie enthalten als wichtigste Bestandteile ein eigentümliches Harz, ätherisches Öl und Schleimzucker.




Anwendung

Die Wachholderbeeren kommen als ein, die Tätigkeit des Gefäss- und Nervensystems der Haut- und Harnorgane erregendes, die Verdauung beförderndes Mittel in Anwendung bei Schwäche der Verdauungsorgane, Blasenlähmung, Stockungen im Unterleibe, Würmern, unterdrückter monatlicher Reinigung und besonders bei Wassersucht, innerlich im Aufguss oder in Abkochung meist in Verbindung mit anderen Dingen, äußerlich in Zerstoßenem Zustande zu Umschlägen, als erregend- zerteilendes Mittel bei kraftlosen Geschwülsten, ferner als Kau- und Räucherungsmittel zum Schutz gegen ansteckende Krankheiten und zur Verbesserung einer verdorbenen Luft in Wohnungen in Anwendung.

Gebräuchliche Mittel sind der eingedickte Saft oder das Wachholdermus, der Wachholdergeist und das ätherische Öl. Die schwammigen Auswüchse des virginischen Wachholders, Cedernäpfel genannt, werden als vorzügliches Wurmmittel angepriesen.

In der Tierheilkunde werden die Wachholderbeeren sehr häufig wegen ihrer die Haut- und Lungenausdünstung befördernden Eigenschaft bei rasch verlaufenden und langwierigen Katarrhen, bei Lungenentzündungen im Stadium der Lösung, bei der Lungenseuche, bei der Ruhr, wegen ihrer harntreibenden Wirkung bei Ergüssen in wässerige Säcke, bei Hautwassersucht, endlich wegen ihrer Einwirkung auf die Verdauungsorgane bei schlechter Verdauung und den durch mangelhaften Ernährungsprozess hervorgerufenen Krankheiten, wie bei Fäule der Schafe, und schließlich ihrer erregenden Wirkung wegen bei Typhen, langsam verlaufenden fressenden Geschwüren, und bei Lähmungen leichteren Grabes gebraucht.

Größeren Haustieren gibt man 30 – 60 g, Schafen und Schweinen 7 ½ – 15 g, Hunden 1,825 bis 3,75 g auf einmal, bisweilen für sich allein, meistens aber in Verbindung mit bitteren oder wohlriechenden Mitteln, Salzen oder Metallpräparaten, entweder in Pillen-, Latwergen- oder Aufgussform, oder man mengt sie grob gepulvert mit Salzen oder brenzlichen Stoffen zur Lecke, oder streut sie, besonders den Schafen, aufs Futter. Zum äußerlichen Gebrauche benutzt man sie bisweilen für Räucherungen, zu welchem Zweck man sie auf glühende Kohlen streut. Das Wachholderöl kann an Stelle des Terpentinöls benutzt werden, wenn man den Preis nicht im Auge haben muss. Der Wachholdergeist kann als urintreibendes Mittel innerlich, mit schleimigen Flüssigkeiten gemengt, besonders Rindern zu 3,75 bis 15 g, dann auch als Reizmittel äußerlich gegeben werden.

Das Wachholderholz, welches meist klein zerschnitten im Handel vorkommt, hat, je nachdem es vom Stamme und den Ästen oder von der Wurzel genommen ist, eine weißliche, blassgelbe oder rötliche Farbe, ist ziemlich fest, zäh und leicht entzündlich, besitzt einen angenehmen balsamischen, beim Verbrennen stärker hervortretenden Geruch und einen harzig-gewürzhaften Geschmack und enthält als wirksame Bestandteile ätherisches Öl und Harz.

Auch das Holz besitzt erregende und harntreibende Wirkung und wird teils innerlich, mit anderen Dingen vermengt, in Speziesform bei ähnlichen Fällen wie die Beeren, teils als Räucherungsmittel angewendet.

In der Tierheilkunde werden das junge Wachholderholz und die Wachholdersprossen wie die Fichtensprossen angewendet.

In der Hauswirtschaft dienen die Wachholderbeeren als Gewürz und zur Herstellung des Wachholderbranntweins.

Sade-Wachholder

(J. sabina)

Sadebaum, Sevenbaum, ist ein immergrüner, 2 – 3 Meter hoher Strauch oder ein 5 – 6 Meter hoher Baum mit langen, aufsteigenden, stark verzweigten Ästen, deren unterste zuweilen wurzelnd sind, und mit braunrötlich-grauer Rinde. Von den dunkelgrünen Blättern sind die angedrückt dachigen 1 ½ – 3 mm, die abstehenden 4 ½ – 7 ½ mm lang. Die letzteren stehen meist kranz-ständig, doch aber auch in dreizähligen abwechselnden Wirteln.

Die der vorigen Art ähnlichen Blüten stehen gegen die Gipfel der Ästchen. Die Beeren gleichen an Größe der Wachholderbeere, sind aber weniger regelmäßig kugelig, länger gestielt, überhängend, hechtblau bereift und haben undeutliche Höckerchen auf dem Scheitel.

Wächst im südlichen und be- sonders in den Alpengegenden des mittleren Europa und blüht im April und Mai.

Die jüngeren beblätterten Zweige sind als Sadebaumkraut oder Sevenbaumkraut gebräuchlich. Dieselben kommen mit den zweierlei, vorhin beschriebenen Blättern besetzt vor, haben auch getrocknet noch einen starken unangenehmen, in größeren Massen etwas betäubenden Geruch, einen widerlichen, harzig-bitteren, etwas scharfen Geschmack und enthalten hauptsächlich ätherisches Öl und eisengrünenden Gerbstoff.




Anwendung

Das Sadebaumkraut wirkt reizend, erregend auf das Gefässsystem, besonders heftig aber auf die Gebärmutter. Es wird innerlich bei Schwächezuständen des Uterinsystems, dann auch bei Gicht, äußerlich bei Lähmungen, trägen Geschwüren, Beinfrass, syphilitischen und sonstigen Haut- und Knochenauswüchsen in Pulver, Aufguss und Abkochung angewendet.

Gebräuchliche Formen sind das ätherische Öl, die Salbe, etwas weniger verwendet werden die Essenz, der Auszug, der Spiritus und die Tinktur. Nicht zu vergessen ist auch die Wacholderkur nach Kneipp.

In der Homöopathie wird die aus den frischen Ästchen bereitete Tinktur ebenfalls als ein wirksames Mittel gegen Krankheiten des Nervensystems, wie Weißfluss, Mutterblutflüsse und Neigung zur Frühgeburt, ferner gegen Gicht, Knochenkrankheiten und Zahnschmerz und das ätherische Öl als wirksam gegen Verhüllung der Regel betrachtet.

In der Tierheilkunde wirkt das Sadebaumkraut sehr scharf reizend, und veranlasst in Geweben, mit denen es in Berührung kommt, besonders dann, wenn sie wund sind, heftige Entzündung, Eiterung, selbst brandiges Absterben.

Während bei Rindern und Schafen, noch mehr bei Hunden durch größere Gaben dieses Mittels Verdauungsstörungen, Darmentzündung, selbst der Tod veranlasst werden, vertragen Pferde sehr große Gaben, und zwar nahezu bis zu ½ Kilo, ohne dass sich bemerkbare Nachteile wahrnehmen ließen. In mäßiger Gabe innerlich verabreicht, wirkt das Kraut vorzüglich auf die Werkzeuge der Bauch- und Beckenhöhle, bessert dis Verdauung, bestärkt die Hautausdünstung und Harnausscheidung und regt die Gefässtätigkeit an. Bei trächtigen Tieren soll es Verwerfen veranlassen. Dasselbe passt nur bei langwierigen Krankheiten und wurde gegen Wassersuchten, Schleimflüsse, Aufgedunsenheit, wie bei Fäule der Schafe, gegen Darmwürmer, gegen veraltete Hautausschläge, selbst gegen Rotz und Wurm anempfohlen.

Wegen ihres Einflusses auf die Geschlechtsorgane wird es bei langanhaltenden Schleimflüssen der Gebärmutter, bei Wehenschwächen angewendet. Man gibt es innerlich Pferden und Rindern zu 15 – 45 g, Schafen und Schweinen zu 1,826 – 3,75 g, Hunden zu 0,1 – 0,2 g auf einmal, doch öfters wiederholt, entweder mit Kochsalz oder Mehl gemengt als Lecke, besonders für Pferde und Schafe, oder mit anderen geeigneten, hauptsächlich bitteren und aromatischen Stoffen, Schwefel, Spießglanz, Quecksilberpräparaten, verbunden in Pillen- oder Latwergenform. Auch Aufgüsse und Abkochungen sind im Gebrauche.

Äußerlich verwendet man das Kraut als Reizmittel bei schlaffen Geschwüren, als leichtes Ätzmittel bei wuchernder Fleischwarzenbildung und weichen, schwachen Neubildungen, sowie auch bei veralteten Hautleiden. In den ersten Fällen bedient man sich entweder des Pulvers oder des aus den frischen Blättern gequetschten Saftes, entweder für sich allem oder im Vereine mit anderen Ätzmitteln, in dem letzteren Falle gewöhnlich des Aufgusses zu Waschungen.

 

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