Ein neues Auto bekommt man derzeit schon ab 12.000 EUR. Aber stimmt das denn?



Die Grundsubstanz der Stahlkarosse eines PKW ist Eisenerz. Das muss gefördert werden, z.B. in Australien. Nach der Förderung kommt ein großer Frachter. Der stößt Unmengen von Schadstoffen aus und bringt das Eisenerz z.B. nach Brasilien, wo dann Stahl daraus gemacht wird.

Dieser gefertigte Stahl wird dann wiederum auf so einen Schadstoffe ausstoßenden Frachter verladen und das ganze Material wird verschifft z.B. nach Deutschland in ein Autowerk.

So eine Stahlkarosse alleine kann ja noch nix. Schon gar nicht fahren. Also benötigen wir Reifen. Reifen bestehen aus Kautschuk, der z.B. in Indonesien produziert wird. Wir wissen nun, dass auch dieses Material wieder auf einem netten Frachter verschifft werden muss. Erstmal dahin, wo man Reifen produziert und dann dorthin, wo diese Reifen benötigt werden.

Jetzt haben wir eine Stahlkarosse auf Reifen. Alles noch nicht schön und tauglich. Aber wir sind bereits mindestens einmal um den Globus geschippert.

Machen wir mal im Innenraum weiter. Das Armaturenbrett besteht aus Kunststoff. Kunststoff hat seinen Ursprung als Öl in der Erde. Das muss gefördert und exportiert werden. Womit? Na, mit einem weiteren netten Frachter. Der stoßt Schadstoffe aus, aber das wissen wir ja schon.

Irgendwo wird also aus Öl Kunststoff gemacht. Von diesem irgendwo geht es dann – womit schon – wieder zu unserem Autowerk in Deutschland.

In so einem Auto mag man es ja auch gemütlich haben. Auf Stahl alleine sitzt es sich nicht gut. Also machen wir uns mal an die Sitze. So mancher Sitz begann mal als ein lebendes Tier. Leder. Rinder. Diese werden für unsere Ledersitze extra gezüchtet. In Brasilien. Dort brauchen sie Wasser, Futter und Land. Viel Land. Dann werden sie getötet. Damit wir bequem sitzen dürfen. Die Häuter der Rinder werden dann von Brasilien nach Indien verschifft. Womit?




In Kanpur befindet sich derzeit das Zentrum der boomenden indischen Lederindustrie. Dort wird das Leder für unsere Autositze, Handtaschen und unsere anderen Wohlfühlprodukte produziert. Lederfabriken verseuchen die Luft und den Ganges mit Salzsäure, Chrom und einem Cocktail aus weiteren giftigen Chemikalien. Klar, dass das fertige Leder mal wieder auf so einem Dampfer landet, der es dann z.B. wieder in unser Autowerk bringt.

Da wir unser Auto am Morgen nicht mit einer Kurbel ankurbeln wollen, benötigen wir Strom im Auto. Das erledigt eine Batterie. Eine Batterie benötigt Blei. Dieses Blei wir in China aus dem Boden geholt. Und dann .. na was wohl: dorthin verschifft, wo es benötigt wird.

Haben wir nun schon ein Auto? Nein. Da fehlt noch einiges. Auch muss es noch zusammen geschraubt werden. Roboter. Und dann auch wieder transportiert werden. Zum Autohaus, wo wir es dann für 12.000 EUR erwerben dürfen. Aber mir reicht es jetzt, sonst wird’s zu teuer.

Ach, betankt haben wir das Auto bisher auch noch nicht. Ab dem Zeitpunkt übernehmen dann wir unseren Teil, der zur Klimaproblematik beiträgt.

Schon ganz schön teuer so ein Auto. Nicht für uns, aber für die Erde und ihr Klima, auf der wir leben.

Angeregt durch das Buch von Stephen Emmott: Zehn Milliarden

Bildnachweis: © Reimer – Pixelvario – Fotolia.com – #51199990


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