Von den Gesundheitsfreaks und Frühjahrs-Diätlern gehasst, trotzdem steckt in fast jedem Herz eine kleine Vorliebe für dieses Brot. Außen knusprig – innen weich und locker. Weißbrot zum Grillen, zu Salaten oder als Bruschetta – wahre Liebe geht eben doch durch den Magen. Jetzt soll es eine gesunde Alternative geben, bei der das schlechte Gewissen keinen Platz findet: das Lila Brot.

Brot ist leider so easy

Brot ist Hauptbestandteil in jedem Haushalt. Es ist leicht und schnell zu konsumieren, es schmeckt fast überall gut. In jedem x-beliebigen Supermarkt bekommst du dieses Nahrungsmittel zu kaufen, preisgünstig ist es auch noch. Doch sobald wir unser Gewicht reduzieren wollen, einem gesünderen Lebensstil folgen, wird genau dieses Produkt als aller erstes von unserer Einkaufsliste gestrichen. Gründe für diese Hassliebe sind zum einen die fehlenden Nährstoffe in diesem Brot. Die vielen Vitamine und Mineralstoffe in der äußeren Schicht des Getreidekorns werden nicht verwendet, lediglich die Stärke im Inneren des Korns wird zur Herstellung von Weißmehl benutzt. Die fehlenden Ballaststoffe führen dazu, dass die Stärke in unserem Verdauungstrakt schneller gespalten wird und die Energie sofort in Form von Zucker in das Blut übergeht. Zurück bleibt ein ungestillter Heißhunger. Kann man es dann doch nicht lassen und greift immer weiter nach dem beliebten Brot, kann das fatale Folgen mit sich bringen. Eine gefährliche Kombination beschreibt Weißbrot im Zusammenhang mit zu wenig Flüssigkeit. Verstopfung ist oft das eher ungewünschte Ergebnis. Beim Verzehr von Weißbrot steigt der Blutzuckerspiegel, das Insulin wird im Körper freigesetzt, welches den Zucker in unsere Zellen schließt. Passiert dies regelmäßig, werden unsere Zellen immer resistenter gegenüber Insulin und der Blutzuckerspiegel gerät langsam außer Kontrolle. Die amerikanische Wissenschaft hat sogar bewiesen, dass Depressionen und der Konsum von ungesunden Kohlenhydraten eng zusammenhängen. Unsere Hormone reagieren nämlich auf den wechselnden Blutzuckerspiegel und Stimmungsschwankungen oder Müdigkeit suchen den Körper und Geist heim.

Lila Brot – Vom Gesundheitsschrecken zum großen Superfood?

Diesem negativen Beschuss, gegenüber dem durchaus großartig schmeckenden Brot, wollte ein Ernährungswissenschaftler namens Zhou wohl ein Ende setzen. Gemeinsam mit seinem Team arbeitete der Professor und Direktor des Programms Food Science and Technology an der National University in Singapur ungefähr ein Jahr an einem gesünderen Brot. Die große Herausforderung hierbei war, dass die Zusammensetzung des Weißbrotes geändert werden sollte, ohne aber die weiche Textur zu verändern. Im Oktober 2015 wurde das purple bread in mehreren wissenschaftlichen Zeitschriften vorgestellt. Die geheime Zutat in diesem Rezept sind Anthocyane, welche der Wissenschaftler aus schwarzem Reis entnommen und dem Brotteig beigefügt hat.




Bei dieser seltenen Zutat handelt es sich um den Überbegriff einer Pflanzenfarbstoff-Gruppe der Flavonoide. Flavonoide gehören zu den sekundären Pflanzenstoffen, sie sind für die rote, violette bis dunkelblaue Farbgebung von Pflanzen verantwortlich, sowie für ihren Schutz vor schädlichen Umwelteinflüssen. Anthocyane sind unter anderem sehr gut in Wasser löslich. Eine besonders hoch angeschriebene Eigenschaft ist ihre Wirkung als starkes Antioxidans. Das Vorkommen beschränkt sich auf die Zellflüssigkeit von an Land wachsenden Pflanzen, da Anthocyane auf Produkte der Fotosynthese angewiesen sind. Besonders reich an diesem Stoff sind blaue Trauben, Rotkohl, Auberginen, Heidelbeeren und den von uns heiß geliebten Aronia Beeren. Und natürlich der besagte schwarze Reis kann sich glücklich schätzen aufgrund seiner gesunden Inhaltsstoffe. In den Pflanzen haben Anthocyane drei große Aufgaben. Als erstes soll der Organismus vor den starken UV-Strahlen der Sonne geschützt werden. Dies geschieht durch die gezielte Absorption bestimmter Wellenlängen und verhindert die Beschädigung von Proteinen in der Zelle und der im Zellkern vorhandenen DNA. Zusätzlich werden durch diesen Stoff Insekten und andere nützliche Tiere angelockt. Die beschriebene Lichtabsorbierende Eigenschaft erzeugt eine unwiderstehliche Farbe, die der Pflanze somit bei der Vermehrung hilft. Die letzte und wichtige Eigenschaft von Anthocyanen ist die Bindung von freien Radikalen, welche aufgrund von oxidativem Stress im Organismus freigesetzt werden. Im Mensch dagegen ist die biologische Verfügbarkeit von diesem sekundären Pflanzenstoff leider sehr gering. Reichen tut es trotzdem für eine starke antioxidative Wirkung, die in deinem Körper entfaltet wird. Sie verbinden sich auch im Menschen mit freien Radikalen, verringern extrem deren Reaktionsfähigkeit. Zellen werden vor Alterung und Entartung bewahrt. Viele Krankheiten können durch diesen Prozess vorgebeugt werden. Sogar die Schwere einer Krebserkrankung kann stark von Anthocyanen abhängig sein. Studien zeigen, dass eine normale Differenzierung gewisser Krebszellen herbeigeführt wird. Differenzierte Krebszellen sind sehr viel weniger gefährlich als undifferenzierte.

Die vielen positiven Eigenschaften des sekundären Pflanzenstoffes aus schwarzem Reis, sollen nun in das ungeliebte Weißbrot mit eingebacken werden. Man kann meinen, dass nach der Zeit im Ofen davon nicht mehr viel übrig geblieben ist, aber das stimmt so nicht. 80% der Anthocyane überleben den Backvorgang erfolgreich. In Verbindung mit der Stärke des Weißmehls kommt die lila Farbe zustande. Alles schön und gut aber einen Haken hat dieses gebackene Superfood dann doch: Trotz dem wunderbaren neuen Inhaltsstoff, weist auch dieses Brot eine große Menge an Stärke und Weizen auf. Der Nährwert ist quasi derselbe. Zhou verspricht allerdings, dass du zwar die gleiche Kalorienanzahl zu dir nimmst, mit dieser aber viel länger auskommst und nicht gleich von der nächsten Heißhungerattacke überrannt wirst. Genauer gesagt, wird die Schnelligkeit der Verdauung dieses Brotes um 20% reduziert.

Noch gibt es das Superfood-Brot nicht zu kaufen, doch schon bald will Zhou seine Entdeckung auch kommerziell vertreiben. Ob der Ernährungswissenschaftler bei Milka gespickt hat, ist nicht zu beweisen. Die Spannung steigt, kann das purple bread den schlechten Ruf des Weißbrotes wirklich aufpolieren – immerhin ist es jetzt lila?!

Bildnachweis: © LADY & PUP



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