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Hanf

Hanf

Hanf

(Cannabis)

Gattung der Familie Nesselgewächse mit 2häutigen Blüten, von welchen die männlichen eine 5teilige, die weiblichen eine 1blättrig-scheidenartig eingerollte, oberwärts in eine Spalte klaffende Blutenhülle haben, und die Nuss von einer solchen eingeschlossen ist.

Gebräuchlicher, gemeiner Hanf

(C. sativa)

hat einen steif-aufrechten, 160 cm. bis 2,4 Meter hohen, flaumig-rauen, kantigen, einfachen oder ästigen Stengel, die gegenständigen oder oberwärts wechselständigen, langgestielten Blätter sind 5-9zählig gefingert, und die so gebildeten Blättchen lanzettlich an beiden Enden Zugespitzt, scharf und grob gesägt, oberseits rau,unterseits flaumig. Die kleinen, lanzettlichen Nebenblätter sind trockenhäutig, die männlichen Blüten bilden einfache oder ästige Trauben, von welchen die unteren winkelständig, die oberen blattlos sind, alle zu mehreren büschelweise stehend, die im ganzen eine gipfelständige Rispe darstellen. Die am Gipfel der Stengel und der Äste gehäuften weiblichen Blüten werden in den Winkeln von den daselbst sich nährenden Blättern etwas verdeckt. Die ganze Pflanze hat einen unangenehmen, betäubenden Geruch. Ist im südlichen Asien heimisch und wird in allen Weltteilen im großen angebaut. Blüht bei uns im Juli und August.



Anwendung

Die Hauptverwendung findet der Hanf in der Industrie, weshalb er auch allenthalben im großen angebaut wird. Je nach der dichteren oder dünneren Aussaat erhält man Schleiß- oder Brechhanf, von dem der erstere zu großen Seilen und Segeltüchern, der letztere zu Leinwand dient. Die männlichen Pflanzen werden, wenn die Blüte vorbei ist, und die Büschel zu vertrocknen anfangen, die weiblichen aber, welche den Samen tragen, erst etwa 6 Wochen später ausgereift. Wird der Hanf im Tau geröstet, so erhält man den weißen Hanf, der zu Leinwand und Seilen verarbeitet wird; wird er im Wasser geröstet, so erhält man den schwarzen Hanf, der das feinste Spinnmaterial liefert. Der Hanf wird besonders für die Ausrüstung der Schiffe zu Segeln, Tauen, Seilen, Stricken, Netzen, Sack- und Packtüchern, verarbeitet, das Werg aber zum Kalfatern der Schiffe benützt.

Die ölreichen Früchte dieser Pflanze liefern teils ein Brenn-, teils aber auch ein Speiseöl, und sind als Hanfsamen auch in der Heilkunde gebräuchlich. Dieselben sind eiförmig, mit 2 etwas scharf vortretenden Nähten versehen, von grünlich- oder weißlichgrauer Farbe, haben eine dünne, zerbrechliche Schale, unter welcher sie einen weißlichen, meist ganz aus dem gekrümmten Keime bestehenden Kern von einem etwas widerlichen Beigeschmack, ein austrocknendes, grünlichgelbes Öl enthaltend, einschließen. – Sie werden als ein beruhigendes, einhüllendes und reizminderndes Mittel, besonders bei entzündlichen Krankheiten der Harnorgane, seltener bei Durchfällen, Husten und Heiserkeit, in Einhüllungen, Aufgüssen oder Abkochungen verordnet.

In der Homöopathie findet der Hanfsamen bei Zuckungen, Starrkrampf, Gesichtsfenne, Raserei, Schwermut, skrophulösen Augenkrankheiten, Magenübeln, Verhärtung der Leber, Kolikanfällen, Bauchwassersucht, hartnäckiger Leibesverstopfnng, besonders mit Harnverhaltung, schnell verlaufenden und langwierigen Krankheiten des Harnwerkzeugs, Steinkrankheiten, Blutharnen, Zeugungsunfähigkeit, Unfruchtbarkeit, Frühgeburt, Tripper, Asthma, Lungenschwindsucht, Wadenkrampf, seine Anwendung. Man gibt 1-2 Tropfen der reinen Tinktur, die man aus den blühenden Spitzen und oberen Stengelblättern der verblühenden Pflanze, die zur Blütezeit gesammelt wurde, bereitet, oder eine Verdünnung in hitzigen Krankheiten, täglich mehrmals wiederholt; aber in langwierigen Leiden nur 1- 2 mal täglich.

In der Tierheilkunde werden die Hanfsamen am besten in einer Pflanzenmilch, die man durch Zerreiben der Samen mit kaltem Wasser, 1 Teil auf 10-12 Teile bereitet, angewendet. Die Wirkung ist ganz ähnlich der der Mohnsamenmilch, aber besonders wohltätig auf die Geschlechts- und Harnorgane, wenn dieselben in einem krankhaften, gereizten oder schmerzhaft entzündeten Zustand sich befinden. Die Gabe ist wie bei der Mohnsamenmilch. Äußerlich kann man die Hanfsamen, wie die Leinsamen benutzen, ebenso kann das Hanföl wie das Leinöl verwendet werden.

Die homöopathischen Tierärzte wenden dieses Mittel bei katarrhalischem Entzündungszustand der Schleimhaut, des Nierenbeckens und der Harnblase der Hengste und Stute, gegen schmierigen Abgang des Harns bei einer Kuh 8 Tage nach dem Kalben, bei der gutartigen Form der Schankerseuche der Pferde, bei anhaltenden Schleimflüssen aus der Harnröhre männlicher Hunde, bei Trübung der Hornhaut nach vorhergegangener Augenentzündung, und wenn in der Kristalllinse ein undurchsichtiger kleiner Fleck wahrzunehmen ist, an. Man gibt 2., 3. Verdünnung.



Indischer Hanf

(C. indica)

ähnelt der vorgenannten Art, soweit man sie bis jetzt hat kennen lernen. Ist in Ostindien heimisch und wird daselbst angebaut. Sie liefert die Gespinnstfaser, die unter dem Namen Jute im Handel vorkommt.

Anwendung

Sie findet in der Industrie als Gespinnststoff zahlreiche Anwendung und in der Heilkunde vertritt sie die Stelle der Baumwolle, wo diese als Watte bei Verbänden gebraucht zu werden pflegt.

Bildnachweis: CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=14048

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