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Tabak

Bauerntabak

Tabak

(Nicotiana)

Gattung der Familie Nachtschattengewächse, mit röhrig-glockiger, 5spaltiger, bleibender, trichter- oder tellerförmiger Blume, deren gefalteter Saum lappig, oder 5spaltig ist.

Virginischer Tabak

(N. tabacum)

Gemeiner Tabak, hat 1—2 Meter hohe, finger- bis daumendicke, wie die ganze Pflanze, drüsig-flaumhaarige, und oberwärts astige Stengel mit zugespitzten, abwärts verschmälerten, oder in einen Blattstiel zusammengezogenen Blättern. Der Kelch ist tief, 5 spaltig, mit lineal-lanzettlichen, zugespitzten Zipfeln. Die 3 – 6 cm lange Blume hat eine weißliche, in’s grünliche, oder rötliche spielende Röhre und einen rosenroten Saum. Ist in Westindien heimisch und wird in allen Weltteilen, in den wärmeren und gemäßigten Klimaten gebaut.

Blüht vom Juli bis September.

Maryland-Tabak

(N. macrophylla)

Großblättriger Tabak, breitblättriger Tabak. Entspricht in Tracht und Größe dem vorigen, nur sind die Blätter im allgemeinen breiter, der Blütenstand ein mehr gedrungener, die Kelchzipfel kürzer, dreieckig, pfriemlich, auch ist der Blumensaum weniger tief eingespalten, fast 5 eckig. Hat gleiches Vaterland, Blütezeit und Dauer, und wird ebenso angebaut, wie der virginische Tabak.

Von diesen beiden Arten werden die getrockneten Tabakblätter, oder das Tabakkraut in den Apotheken verwendet. Die Blätter sollen im Spätsommer, wenn die Pflanze ihre höchste Ausbildung erreicht hat, abgenommen und an einem luftigen, mäßig warmen Orte möglichst rasch getrocknet werden. Sie besitzen dann einen eigentümlichen, unangenehmen Geruch und einen widerlichen, bitterlich-scharfen Geschmack und enthalten als besondere Bestandteile ein tropfbares, ölähnliches Alkaloid, das Nikotin, und Tabakkampfer, das Nikotianin.



Anwendung

Sie gehören zu den scharf-betäubenden Mitteln, befördern in kleinen Gaben die Absonderung in den Schleimhäuten und Nieren, wirken in größeren Gaben purgierend und brechen-erregend, in noch größeren Mengen aber tödlich, unter Zeichen von Lähmung und Unterleibsentzündung. Sie werden nur selten innerlich im Aufgusse bei Verschleimung der Brust, bei Wassersucht, Urinbeschwerden, Krampfkolik, Trommelsucht, Wahnsinn und Starrkrampf, häufiger dagegen äußerlich angewendet, besonders zu reizenden Klistieren, bei eingeklemmten Brüchen, bei Verstopfungen, dann zumal die Tabakrauch-Klistiere bei Wiederbelebungsversuchen, ferner im Absude als Waschmittel gegen Hautkrankheiten.
Als Rauchmittel hat man sie zur Linderung von Zahnschmerzen empfohlen.

In der Homöopathie eignet sich der Tabak als Heilmittel gegen drückende und reißende Schmerzen, zitternde Glieder, unruhigen Nachtschlaf, Fieber, Niedergeschlagenheit und Traurigkeit, Schwermut, Unlust zur Arbeit, Eingenommenheit des Kopfes, Schwindel, verschiedene Kopfschmerzen. Lichtscheue, Sausen in den Ohren, trockenen Husten, Brechruhr, Nierensteinkolik, Engbrüstigkeit.
Man gibt 1 — 2 Tropfen der 1., 2., 3. Verdünnung und wiederholt diese Gabe, je nachdem es die Umstände erheischen, mehr oder weniger oft des Tages.

In der Tierheilkunde wendet man den Tabak innerlich als scharfes Mittel bei Verdauungsstörungen, bei hartnäckigen Verstopfungen, bei Wasseransammlungen, dann wegen seiner gleichzeitigen betäubenden Eigenschaft bei den verschiedensten Krämpfen, dem Starrkrampf, der Wind- kolik, der Aufblähung des Rindviehs, bei krampfhafter Harnverhaltung an.

Man gibt zu diesem Zweck den größeren Haustieren 30 – 60 g, den kleineren Pflanzenfressern 1,826 – 7,5 g, Hunden etwa 1,5 g, in Abkochung, Pillen oder Latwergen, entweder für sich allein, oder mit anderen paffenden Mitteln, z. B. Mittelsalzen, Kalomel u. s. w. Verbunden.

Äußerlich verwendet man entweder die Abkochung zu Klistieren bei hartnäckigen Verstopfungen, bei Krumpfen, insbesondere beim Starrkrampf, oder man benützt den Rauch des brennenden Tabaks, welcher noch reizender wirkt, und leitet ihn mittelst einer eigenen Spritze in den Mastdarm. Die Abkochung der Tabakblätter dient auch als Heilmittel gegen die Räude und andere hartnäckige Hautkrankheiten. Es wird hierzu der Tabak entweder blos in Wasser, oder in Aschenlauge – 1 Teil ungefähr auf 20 Teile Flüssigkeit – gekocht und entweder für sich allein, oder mit anderen passenden Mitteln, wie Potasche, Schwefelleber, Sublimat u. dgl. verbunden, zu Waschungen benutzt.

Mit Essig abgekocht, wird er mit Vorteil zum Töten der Läufe verwendet. Der in den Tabakpfeifen sich ansammelnde Tabaksaft wirkt bei kleineren Haustieren als heftiges Gift.

Der Tabak ist aber nicht allein Arzneimittel, sondern auch ein Genussmittel, als solches bildet er einen bedeutenden Handelsartikel. Je nach den Gegenden, in welchen der Tabak gebaut wurde, tann man nun folgende Gruppen unterscheiden:



Südamerikanischer Tabak

Hierher gehören die besonders als Rauchtabake von jeher geschätzten Sorten, wie u. a. vom Orinocco, aus Columbien, Cumana, Maracaibo, Caracas, Caquayra, gewöhnlich als Barinas nach der gleichnamigen Provinz in Venezuela, oder Kanaster von den Körben canastrus so benannt, in welchen er in den Handel kommt; außerdem sind hierher zu rechnen, der Brasil. Tabak, der besonders zu Schnupftabak sehr gesucht ist. Der Tabak aus den verschiedenen Gegenden Guianas, aus Neugranada, dessen feine Cigarren mit jenen der Havanna zu konkurrieren beginnen. Ecuador und Peru liefern auch gute Tabake, jedoch wenig für den Export.

Nordamerikanische Tabake

Diese deckenden Hauptbedarf für Europa: Virginischer-, Maryland-, Kentucky-Tabak, von welchen die beiden letzteren mehr für Rauchtabake, der erstere für Schnupftabak gesucht wird. Außerdem bauen auch Pennsylvanien, Louisiana und Indiana viel Tabak an.

Westindischer Tabak

In erster Linie ist hier der berühmte Havanna- und Kuba-Tabak für Cigarren zu erwähnen. Die feinsten Blätter der Sorte, welche bei St. Diego gebaut wird, führen den Namen Kubannas. Andere minder edlere Sorten sind Portoriko, Domingo, Martinique, wie überhaupt die Tabake der westindischen Inseln, der denselben nahe liegende mexikanische Tabak wird nicht exportiert.

Asiatischer Tabak

Meist gelbgefärbte, oft sehr wohlriechende und kräftige Tabake von süßlichem Nebengeruch. Dieselben sind erst in den letzteren Jahren durch die sogenannten Papier-Cigaretten mehr in Aufnahme gekommen. In erster Linie ist hier der durch die gleichnamigen Cigarren bekannte Manilla-Tabak zu erwähnen. An diesen reihen sich der von den Philippinen, der von Java, der persische und levantinische Tabak, dann der syrische und egyptische Tabak, welche dem in Europa gezogenen türkischen und macedonischen Tabake an Güte sehr nahe kommen.

Europäischer Tabak

Derselbe ist meist von geringerer Qualität. Zu den besseren gehören der türkische, der russische und der holländische, der in Frankreich, den Reichslanden und in der Rheinpfalz gebaute Tabak. Die übrigen europäischen und deutschen Tabake sind von geringerer Qualität.

Neben ungeheuren Mengen von eingeführten Tabaken werden auch die Fabrikate inländischer Fabriken verbraucht und ausgeführt. Auch für Schnupftabake bestehen in Deutschland eine Reihe von Fabriken, deren Erzeugnisse weltbekannt sind.

Der Kautabak wird nur von solchen Leuten verbraucht, deren Beschäftigung das Tabakrauchen nicht zulässt, wie z. B. bei Seeleuten.

Weiterführende Links:

Bildnachweis: By Tubifex (Own work) [GFDL or CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons


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