Apfel

(Pyrus)

Gattung der Familie Apfelfrüchtler, mit dem Fruchtboden angewachsener Kelchröhre, 5teiligem, bleibendem Saume, fünf Blumenblättern und mit einem vom Kelchsaume gekrönten Kernapfel als Frucht.



Apfelbaum

(P. Malus)

Ist ein 3m-7,5m hoher Baum, der mit seinen ausgebreiteten, verbogenen Ästen einen breiten, etwas niedrigen Wipfel bildet. Die Blätter gehen aus der breit-eirunden in die länglich-eirunde Form über und haben auf jedem Sägezahn ein Drüschen. Die Nebenblätter sind lineal-pfriemlich, am Rande oft drüsig, dabei aber sehr hinfällig. Die Blumenblätter sind oberseits weiß, mit blassrosenrotem Schimmer, und unterseits heller oder dunkler rosenrot. Findet sich in größeren Wäldern der Niederungen und Gebirge fast in ganz Europa wild, wird in vielen Spielarten kultiviert und blüht im April und Mai. – Man unterscheidet daher im allgemeinen den wilden Apfelbaum , der meist mit Dornen besetzt ist, dessen Blätter und Kelchröhren kahl oder filzig und dessen kleine, ziemlich kugeligen Früchte von saurem und herbem Geschmack sind. Sodann den kultivierten, dornlosen Apfelbaum, dessen Blätter unterseits, sowie dessen Kelchröhren filzig und dessen meist größere Früchte, vom plattkugeligen bis in’s eiförmige gehend, mehr oder weniger wohlschmeckend sind. Dieser Apfelbaum zerfällt wieder nach Größe, Gestalt und sonstigen Eigenschaften der Früchte in eine Menge von Unterabteilungen. Diese sind, nach dem rühmlichst bekannten Pomologen Diehl , die wilden Apfelbäume mit eingeschlossen, folgende:

Bäume

(Leiomeleae)
Die Blätter sind kahl oder behaart.

Weinlinge

(Oenomela)
Die Frucht ist süss, sauer, weinsäuerlich, hat aber kein Arom.

Markäpfel

(Melapia)
Die Frucht ist süss oder weinsäuerlich mit würzigem Arom.

Filzäpfel

(Dasymeleae)
Die Blätter sind wollig-filzig.

Rippenäpfel

Das Kernhaus ist weit. Über die Äpfel gehen einige Rippen, wie Mittagslinien über den Globus.

Calville

(Calvilla)
Das aromatische, balsamische Fleisch ist weich. Die Frucht ist regelmäßig gerippt, nicht reingestreift.

Gulderling

(Anridura)
Das aromatische, gewürzte, nicht balsamische Fleisch ist fest. Die Frucht ist am stärksten um den Kelch gerippt.

Schlotteräpfel

(Streptia)
Das Fleisch ist ohne Aroma, locker, körnig, meist grob; der Apfel ist unregelmäßig und meist erhaben, gerippt, hoch.

Rambour

(Megamilla)
Das Fleisch ist grob, körnig, oft sehr angenehm von Geschmack, aber ohne alles Arom. Die breite, nicht hohe Frucht ist schwärzlich, und am Kelch und Bauch breit und unregelmäßig gerippt.

Rundäpfel

(Sphaeroidea)
Das Kernhaus ist enge, der Apfel ist rund und meist ohne Rippen.

Rosenäpfel

(Milerosa)
Das wohlriechende Fleisch ist aromatisch von Geschmack, dabei weich und locker. Die Frucht ist meistens tulpenartig gestreift, mindestens gerötelt, hält sich jedoch schlecht.

Renette

(Prasomila)
Das schön gewürzte Fleisch ist zuckerig und doch sauer. Die weiße, regelmäßige, runde Frucht ist meist rauh punktiert oder berostet und welkt leicht.

Streifling

(Vittaria)
Das Fleisch ist ohne Arom. Die Frucht ist stets rot gestreift oder rot bemalt und welkt nicht.

Trostapfel

(Fucigena)
Das Fleisch ist ohne Arom, die Frucht ungestreift, einfarbig oder verwaschen und nie welkend.



Sträucher:

Johannisäpfel

(Passipoma)
Die Frucht ist süss und fade.

Heckapfel

(Aciduma)
Die Frucht ist sauer, säuerlich oder weinig.

Zu den besten Apfelsorten gehören:

  1. Gravensteiner (Würzburger Gravensteiner), eine sehr wohlriechende, meist kugelige und fast gleich gewölbte, zuletzt goldgelbe Calville,
  2. Danziger Kantapfel (rote Herbstcalville),
  3. der großerheinische Bohnenapfel, ein Streifling,
  4. Luikenapfel, ein Streifling,
  5. Roter Taubenapfel (Jerusalemsapfel), ein Rosenapfel,
  6. Kasseler Renette,
  7. Renette von Kanada,
  8. Winterparmäne (englische Goldparmäne), ein Streifling von stumpfspitzer Gestalt,
  9. Karmeliter Renette, ein mittelgroßer Apfel, der meist etwas spitz zuläuft, aber auch platt vorkommt,
  10. Winterborsdorfer (Rubinapfel, edler Borsdorfer), eine Renette,
  11. Ananasrenette,
  12. Goldzeugapfel,
  13. Virginischer Sommerapfel,
  14. Prinzenapfel,
  15. Dottereisenapfe,
  16. Champagnerrenette,
  17. Englische Spitalrenette,
  18. Roter Kurzstiel,
  19. Orleansrenette,
  20. Herberts Rambour.




Anwendung

Es ist eine durch die Erfahrung vielfach bestätigte Tatsache, dass eine tüchtige Apfelkur ein außerordentlich reinigender Prozess ist, indem durch sie die Absonderung flüssiger toter Stoffe überraschend befördert wird. Apfeltee ist ein in England beliebtes Getränke, das namentlich Leuten, die an Entzündungen und Fieber leiden, oder doch dazu geneigt sind, sehr gut bekommt. Zu dessen Bereitung werden einige dünne Schnitten Renettenäpfel mit siedendem Wasser übergossen, einige Minuten zugedeckt stehen gelassen, worauf man den Inhalt umrührt und soviel Zitronensaft und Zucker hinzugibt, bis das Getränke den gewünschten Wohlgeschmack hat. Dieser Tee ist auch ein englisches Volksmittel gegen Schnupfen und Husten.
Gebratene Äpfel sind gegen Verstopfung oder trägen Stuhlgang sehr dienlich.

Das bekannte Maschanzler-Säftchen ist ein bekanntes Hausmittel gegen Heiserkeit, Husten und Krampfhusten.

Bei Verbrennungen wirken faule Äpfel ungefähr so, wie das kalte Wasser, auch werden Umschläge von faulen Äpfeln gegen Frostbeulen gebraucht. Bei alten Geschwüren empfehlen viele Ärzte Apfelsaft auf die Wunde zu bringen. Das Apfelkompott ist als kühlend für Wiedergenesende vielfach empfohlen worden. Gegen Heiserkeit der Kinder gebe man denselben einige gebratene Äpfel zu essen, in welchen man Zucker vergehen lässt.

Über die so genannte Petsch’sche Apfelweinkur sagt Dr. Raith: Siese Kurart sei besonders in Krankheiten des lymphatischen Gefäß-, Drüsen- und Pfortadersystems, bei Verdorbenheit der Säfte, hartnäckigen Hautausschlägen, Nieren- und Harnblasenkrankheiten und Nervenschmerzen zu empfehlen. Bemerken wollen wir noch, dass nur der ausgepresste Saft von säuerlichen Äpfeln zur Bereitung des apfelsauren Eisenextrakts und der apfelsauren Eisentinktur angewendet wird. Die wirtschaftliche Bedeutung der Äpfel im frischen, wie im getrockneten Zustande, roh und gekocht, ist allgemein bekannt. Außerdem benutzt man den Apfel zu Herstellung von Apfelwein, Cider, Essig und Branntwein. Ebenso ist Rinde und Holz des Apfelbaums nutzbar, erstere gebraucht man in der Färberei, da die innere Rinde mit Alaun eine rote und graue, mit Besenginster und Knabenkraut eine schöne gelbe Farbe liefert. Das geraspelte, trockene Holz wird zum kastanienbraun färben der vorher mit Wismut gebeizten Wolle benützt. Das sehr feste, fein-fasrige und braunrötliche Holz wird, da es sich gut bearbeiten läst und eine schöne Politur annimmt, zu Möbeln, Gerätschaften und Schnitzwerken gerne verwendet.

Bildnachweis: By Viola sonans (Own work) [GFDL, CC-BY-SA-3.0 or CC BY 2.5], via Wikimedia Commons

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