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Mutterkraut

Mutterkraut, falsche Kamille

Mutterkraut

(Matricaria)

Gattung der zur Familie Korbblümler gehörenden Unterfamilie Senecionideen, mit dachiger, wenig vertiefter Hülle, wenig reihigen, fast gleich langen Blättchen, gestrahlten Köpfchen, zungenförmigen, einreihigen Randblüten, welche anders gefärbt und, als das, höchst selten fehlende Mittelfeld und zwitterigen, röhrigen, 4 – 5-zähnigen Scheibenblüten mit stielrundlicher Röhre.

Kamillen-Mutterkraut

(M. chamomilla)

Echte Kamille, gemeine Kamille, hat einen 1 ½ – 3 ½ cm hohen, oft schonu vom Grunde an astigen Stengel, sitzende, im Umrisse längliche, etwas fleischige, dunkelgrüne, mit unterseits vorspringenden Kielnerven versehene Blätter. Die 2 – 3 mm im Durchmesser haltenden Köpfchen haben längliche, vorne kurz dreikerbige, beiderseits weiße, und bald nach dem Aufblühen zurückgeschlagene Strahlblüten. Das Mittelfeld besteht aus sehr kleinen, dicht gedrängten Blüten. Wächst auf Äckern und sonstigen angebauten Stellen und auch auf Schutt im größten Teile von Europa.
Die getrockneten Blütenköpfchen sind die gemeinen Kamillen, Kamillenblüten oder Kamillenblumen der Apotheken. Dieselben zeichnen sich durch einen eigentümlichen, starken, gewürzhaften Geruch und einen unangenehmen, gewürzhaft bitteren Geschmack aus und enthalten als wirksame Bestandteile ein dunkelblaues, ätherisches Öl und bitteren Auszugstoff.



Anwendung

Die Kamillen sind als ein auf Gefäß- und Nervensystem flüchtig erregend, beruhigend und krampfstillend, zugleich bitter stärkendes, zumal auf die Unterleibsorgane wirkendes Mittel sehr geschätzt und werden in Deutschland allgemein bei Schwäche und krampfhaften Leiden der Verdauungsorgane und des Gebärmuttersystems, sowie überhaupt bei Stockungen im Unterleibe, ferner bei rosenhaften und rheumatischen Entzündungen, schmerzhaften schlaffen Geschwülsten, erschlafften Geschwüren, besonders veralteten Fussgeschwüren und bei Hautausschlägen, innerlich in Pulver, häufiger im Aufguss, äußerlich zu trockenen und feuchten Bähungen, zu Waschungen und Bädern, zu Einspritzungen und Klystieren angewendet. Präparate sind, das wässerige Extrakt, das destillierte Wasser, der Zuckersaft, das ätherische Öl und das gekochte Öl. Das ätherische Öl wurde besonders als Verdauungsmittel bei der Cholera empfohlen.

In der Homöopathie wird die Kamille ebenfalls als ein vorzügliches Heilmittel geschätzt. Es wird der aus der frischen, blühenden Pflanze ausgepresste und mit gleichen Teilen Weingeist versetzte Saft angewendet und zwar vorzüglich bei Krankheiten von Schwangeren und Wöchnerinnen, sowie bei manchen Kinderkrankheiten, zumal solchen, die in Störungen der Unterleibsorgane bestehen oder davon abhängen, dann bei epileptischen, zuweilen beim Zahnen der Kinder eintretenden Fällen, bei lähmungsartigen Rheumatismen, Magenkrampf, Leber- und Halsentzündung, katarrhalischer Augenentzündung, Blähungsbeschwerden, Durchfällen, Cholera, Muttterblutflüssen, Menstruationsbeschwerden, Fiebern verschiedener Art, Gesichtsrose, Bräune, verschiedenen Lungenleiden, Drüsenleiden, Gelbsucht, fieberhafter Schlafsucht, bei Überreizung des Nervensystems durch Zorn und Ärger, endlich bei vielen Beschwerden, die von übermäßigem Kaffeetrinken und von Kuren mit betäubenden Vorbauungsmitteln herrühren. Man gibt 1 – 2 Tropfen der reinen Tinktur, oder der 1., 2., 3. Verdünnung 1 – 2mal täglich, oder auch öfter, wenn es die Umstände erheischen.




In der Tierheilkunde werden die gemeinen Kamillenblumen sehr häufig angewendet und zwar vorzugsweise dann, wenn man die Hautausdünstung befördern, Krämpfe beseitigen, auf das Nerven- und Gefäßsystem einwirken will. Sie werden daher bei Krämpfen, bei Wind- und Krampfkolik, bei krampfhaften Harnverhaltungen, bei unzeitigen, unregelmäßigen und zu geringen Weben. Durchfällen, die mit Krämpfen verbunden, aber frei von Entzündungen sind, bei schmerzhaften Rheumatismen, bei der Staupe der Hunde, wenn dieselbe mit Zuckungen, Krumpfen, oder mit geringem Grade von Lähmung verbunden ist, ebenso bei dem Brustkrampf der Pferde, bei der aus Erkältung entstandenen Gelbsucht des Rindviehs und bei Lähmung der Lämmer häuslich gebraucht. Doch leistet das Mittel bei den meisten dieser Krankheiten nur dann wirklich gute Dienste, wenn sie keinen zu hohen Grad erreicht haben. Man gibt sie den großen Haustieren zu 30 – 60 g, Schafen und Schweinen zu 7 – 22 g, Hunden zu 2 – 12 g auf einmal, und nach der Heftigkeit der Zufälle in Zwischenräumen von ½ – 2 Stunden wiederholt, wobei der Aufguss die zweckmäßigste und wirksamste Form ist. In leichten Fällen wendet man ihn allein an, bei heftigen Krämpfen etc. aber in Verbindung mit Baldrian, Kalmus, Opium, Stinkasant, Kampfer, Weingeist, Terpentinöl etc. Äußerlich werden die Kamillen als Pulver zum Einstreuen in unreine, stinkende Geschwüre, oder auch zu trockenen und feuchten Umschlägen und im Aufguss zu Waschungen, Bädern und Bähungen benutzt.

Die homöopathischen Tierärzte wenden dieses Mittel bei rascher Aufblähung, Trommelsucht des Rindes, wenn dieselbe noch keinen hohen Grad erreicht hat, bei Wind- und Krampfkolik der Pferde, bei Durchfall wässeriger oder schleimiger Beschaffenheit mit Hinterleibsbeschwerden, bei rascher Gelbsucht des Rindes und Schafes, wenn solche durch Erkältung entstanden ist, bei der Sucht der Hunde, bei der Druse junger Pferde, bei schwachen und mangelnden Geburtswehen, bei Milchstockung im Enter der Kühe, sowie bei Milchmangel derselben überhaupt, bei Geschwüren mit üppiger Wucherung und gegen Schwammauswüchse, wie Knieschwamm, Stollbeule und dergl. an.

By Steffen HeinzCaronna (Own work) [CC BY 3.0], via Wikimedia Commons



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