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Baldrian

Gebräuchlicher Baldrian

Baldrian

(Valeriana)

Gattung der Familie Kardengewächse, mit einem Kelchsaum, der während der Blütezeit einen kleinen wulstigen Ring bildet, bei der Frucht dagegen in eine federige Fruchtkrone sich ausbreitet, und einer röhrig-trichterigen Blume, deren Röhre am Grunde behöckert ist, auf welche eine fächerige und 1 samige Schließfrucht folgt.

Gebräuchlicher Baldrian

(V. officinalis)

gemeiner Baldrian, wilder Baldrian, Katzenbaldrian, Katzenkraut, Wendwurzel, St. Jürgenskraut, Theriakwurzel, hat einen kurzen, dichten, mit ziemlich einfachen, strangförmigen, oder an ihrem Grunde etwas möhrenförmig verdickten Zasern besetzten Wurzelstock, der längere oder kürzere, oft auch nur fingerslange Ausläufer unter der Erde ausschickt, welche aus ihren Spitzen wieder Wurzelzasern und einen beblätterten Stengel treiben. Der steif aufrechte, 50-150cm hoch und höherwerdende Stengel ist stielrund, gefurcht und an den Gelenken oder auch vom Grunde bis zur Mitte rauhhaarig. Die gegenständigen, flaumigen, bis fast kahlen Blätter, von welchen die unteren gestielt sind, haben am Grunde sich verbreiternde und daselbst verwachsene Blattstiele. Die Blumen sind fleisch-rot bis saft-weiß, und die darauffolgenden länglich eirunden, hellbraunen, kahlen, oder selten flaumigen Früchte sind auf einer Seite flach, 1 reifig und auf der andern gewölbt und 3 reifig. Findet sich auf lichten, sonnigen und trockenen, wie auf schattigen, feuchten und selbst sumpfigen Stellen der Gebirge und in Niederungen beinahe in ganz Europa und blüht von Mai bis Juli. Diese Art liefert die gebräuchliche Baldrianwurzel, welche nur von den an trockenen Standorten gewachsenen, schon mehrere Jahre alten Pflanzen im Frühling vor der Entfaltung des Stengels oder im Herbste gegraben und sorgfältig an solchen Orten getrocknet und aufbewahrt werden soll, welche den Katzen nicht zugänglich sind. Dieselbe besteht aus einem sehr kurzen, rundlichen oder länglichen, abgebissenen Wurzelstocke, der unter den strohhalmdicken und dickern, 6-18cm langen, fleischigen Fasern versteckt ist, welche bei der kleineren Abart kürzer und meist an ihrem Grunde mehr verdickt sind, und deren schmutzig-weißliche oder gelbliche Farbe beim Trocknen mehr in die schmutzig-gelbbraune oder graubraune übergeht, wobei die innen weißlichen Zasern zugleich einschrumpfen, runzelig und brüchig werden. Die frische und noch mehr die getrocknete Wurzel kennzeichnet sich durch einen durchdringenden, widerlich-gewürzhaften, dem Katzenharn etwas ähnelnden Geruch; sie hat ferner einen anfangs süsslichen, hernach scharf gewürzhaften, wenig bitteren Geschmack und enthält ätherisches Öl, Baldriansäure und Bitterstoff.



Anwendung

Da die Baldrianwurzel ein kräftig-erregendes, hauptsächlich auf das Nervensystem wirkendes und zugleich ein krampfstillendes Mittel ist, so bildet sie ein allgemein gebräuchliches und geschätztes Heilmittel. Sie wird daher beim Typhus, Faulfieber, sowie bei nervösen Fiebern überhaupt, bei kleinem, häufigem und schnellem unregelmäßigen Pulse, bei trockener, schlaffer, kühler Haut, Unruhe, Schlaflosigkeit, ängstlich wechselnder Gemütsstimmung, flüchtigen Delirien, bei Augenkrankheiten und gegen den Biss toller Hunde angewendet. Ebenso verordnet man sie im schleichenden Nervenfieber, im Wechselfieber, wann nervöse Symptome vorherrschen, endlich in lang dauernden Nervenkrankheiten, in welchen krampfhafte Erscheinungen und die Symptome der Überreiztheit vorherrschen, demgemäß wird sie insbesondere in den verschiedenen Gestaltungen von Mutterbeschwerden und Tiefsinn, bei nervösen halbseitigen Kopfschmerzen, Krampfasthma, in der Epilepsie, besonders bei Kindern, wenn sie von Wurmreiz herrührt, im Veitstanz, nervösen Schwindel, nervösen Magenkrampf und Kolik gebraucht.

Man gibt das Pulver in Gaben von 0,5g – 1g, am gewöhnlichsten jedoch den Aufguß aus 8-16g auf 120-180g Durchseihunq, das Wasser zu 30—60 Gr. des Tages, das Extrakt zu 2-4g des Tages in Auflösung. Bei Würmern, bei Magen- und Darm-, sowie Blasen- und Gebärmutterkrampf wird der Aufguss in Verbindung mit Alant als Klystier gebraucht. Baldrian-Pillen sind nicht gebräuchlich, dagegen dient das Baldrianöl als Zusatz zu Einreibungsmitteln oder mit Zucker als Ölzucker und zwar drei Tropfen auf 4g Zucker; die Tinktur verordnet man in Gaben von 20-40 Tropfen. Bei der Bereitung des Baldrianwassers lässt man, wie bei der Bereitung des Kamillenwassers, von der Verbindung der Wurzel mit 12 Teilen Wasser 4 abdestillieren. Zur Bereitung der Tinktur nimmt man den aus der Wurzel ausgepressten Saft und vermischt ihn mit gleichviel Weingeist. In Ermangelung dieses Saftes, nimmt man von der getrockneten und gröblich gepulverten Wurzel, setzt 2 Teile Weingeist hinzu, lässt es wohl verpfropft 14 Tage stehen, gießt dann ab, filtriert das Ganze und gibt auf Zucker oder unter reinem Wasser oder Kamillenwasser 5-10 Tropfen auf einmal. Die zusammengesetzte Baldriantinktur besteht aus je 30g Baldrian, Schlangenwurzel und 4g Kampfer, die man mit 240g Weingeist 3 Tage hindurch einweicht.

In der Tierheilkunde ist der innerliche Gebrauch bei allen Krankheits-Zuständen angezeigt, die im Nervensystem ihren Sitz haben oder mit nervösen Zufällen begleitet sind, und wenn Schwäche mit erhöhter Empfindlichkeit verbunden ist. Infolge dessen wird sie namentlich bei Nervenfieber, bei dem nervösen Faulfieber, bei dein fieberhaften, wie bei dem langsam verlaufenden Milzbrand, bei Epilepsie, Schwindel, Dummtoller, bei Krämpfen, wie beim Starrkrampf, bei dem Lungenkrämpfe, bei der Staupe der Hunde, in den höheren Graden, und wenn sie nervös wird, angewendet. Ebenso wird sie gebraucht bei eingetretenen Lähmungen, bei geschwächter Verdauung, Durchfall, Aufblähung, Krampfkolik, krampfhafter Harnverhaltung und gegen Eingeweidewürmer. Doch darf man sich, wenn bei diesen Krankheiten schon ein hoher Grad von Schwäche eingetreten ist, nicht auf den Baldrian allein verlassen, weil er dann bei seinen milden Wirkungen zu wenig leistet. Man gibt großen Haustieren 30-90g, Schafen 8-15g, Hunden 1-8g auf einmal und in Zwischenzeiten von 2-4 Stunden wiederholt. Das Mittel kann in Pillen oder Latwergenform gegeben werden, wird aber am besten im Aufguss angewendet, und zwar mit Kampfer, Hirschhornöl, Hirschhornsaft, Pfefferminze, Säuren und anderen, dem vorhandenen Krankheitszustand entsprechenden Mitteln versetzt. Äußerlich wird der Baldrian als zerteilendes und stärkendes Mittel, bei Augenentzündungen, Quetschungen, bei schlaffen, untätigen Geschwüren im Aufguss zum Waschen und Bähen, wie auch zu krampfstillenden Klystieren benützt.

In der Homöopathie findet der Baldrian in folgenden Krankheiten Anwendung: bei rheumatischen Gliederschmerzen, Reißen in den Gliedern, wie in den Knochen, übermäßiger Aufregung der Nerven mit Gefühl großer Mattigkeit in den Gliedern, Überempfindlichkeit der Sinne Schlaflosigkeit, Furchtsamkeit, nervösem Schwindel, nervösen Kopfschmerzen, Blutdrang nach den: Kopfe, Verminderung oder Abänderung der Sehkraft, Kurzsichtigkeit, schwarzem Star, Krämpfen im Unterleibe, Hämorrhoiden, Harnverhaltung. Man gibt 1-2 Tropfen der 1., 2. und 3. Verdünnung, je nach Umständen in größeren oder kürzeren Zwischenräumen wiederholt. Unter den übrigen Baldrianarten, deren Wurzeln, obwohl verwendbar, aber demungeachtet minder kräftig sind, macht der celtische Baldrian (V. celtica), Speik , einigermaßen eine Ausnahme. Derselbe hat einen aufrechten, dünnen, 6-18cm hohen, stielrunden oder auch meist 4kantigen, einfachen Stengel und kleine, außen rötliche, innen trübgelbliche Blumen. Findet sich auf den höchsten Alpen im mittleren Europa und blüht im Juli und August.



Anwendung

Die Wurzel dieser Art, welche einst die berühmte celtische Narde gebildet hat, hat sicher große Heilkräfte, obwohl sie von den Ärzten wenig beachtet wird. Bei den Alpenbewohnern steht sie als kräftiges Heilmittel in hohem Ansehen. Auch bildet sie bei den Bewohnern von Kärnten und Steiermark einen nicht unbedeutenden, über Triest nach dem Orient gehenden Ausfuhrartikel, woselbst man ihn, seines dort für angenehm gehaltenen Geruches wegen zu Salben und Bädern benützt. Zur Vertilgung der Mäuse mischt man Baldrian, weiße Nießwurz und Roggenmehl untereinander, und steckt die Mischung in die Mauslöcher.

Bildnachweis: Jeffdelonge [GFDL or CC-BY-SA-3.0], from Wikimedia Commons

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