Gerste

(Hordeum)

Gattung der Familie Gräser- oder Halmfrüchte, mit Ährchen, die zu 3 auf jedem Gelenke der Spindel stehen, einblütig, oder mit einem borstlichen Ansätze zu einer zweiten Blüte versehen sind, einklappigem Balge, wobei die Klappen auf der äußeren oder Rückenseite des Ährchens stehen und dabei schmal-lanzettlich oder pfriemlich sind. Die untere Spitze des mittleren Ährchens, oder alle Ährchen sind begrannt.

Gemeine Gerste

(H. vulgaris)

Wintergerste

(H. hybernum)

Hat 4 seitige Ähren, deren Ährchen alle zwitterblütig und fruchttragend sind, die in 6 Reihen stehen, von welchen bei der Fruchtreife 2 gegenständig, aufrechte Grannen tragende Reihen der Spindel angedrückt sind, während die 4 übrigen Reihen vorspringen und abstehende Grannen haben. Die Wurzel dieser Art ist zaserig, ihr Halm aufrecht, 60 – 90 cm hoch und kahl, und die flachen, beiderseits am Rande scharfen Blätter sind grasgrün. Die meist verlängerte, ohne die Grannen, 9 – 17 cm lange Ähre ist schief oder übergebogen. Die Früchte sind meist mit den Spitzen verwachsen, d. h. spelzrindig oder beschalt, und die Ährchen bei der Reife gelblich.

Das Vaterland der gemeinen Gerste ist unbekannt, dieselbe wird in allen den Ländern gebaut, in welchen Roggenkultur zu Hause ist.

Zweizeilige Gerste

(H. distichon)

Futtergerste, Ziegelgerste. Wurzel, Halm und Blätter sind wie bei der gemeinen Gerste, nur sind die Ähren meistens schief und ohne die Grannen 6 – 9 cm lang und länger.

Ist ein Sommergetreide, welches in den gemäßigten Gegenden Europas häufiger angebaut wird, als die zuvor erwähnte Art.

Von beiden Arten sind die Früchte – Gerste – gebräuchlich und zwar:

  1. Rohe oder ganze Gerste

    Sie ist eine geschälte Frucht, die im Umriss länglichrund-lanzettlich und an beiden Enden gestützt, ist ferner auf dem fast flachen Rücken und anden gerundeten Seiten die aufgewachsene, 5 nervige, äußere Spelze zeigt, dabei vorn stärker gewölbt, mit einer tiefen Längsfurche durchzogen, von strohgelber Farbe, auf dem Querschnitt weiß, fast mehlig, ohne Geruch und von mehligem Geschmack ist.

  2. Gerstengraupen

    Sind die von ihren Spelzen befreiten Früchte, welche weiß, mehlig bestäubt sind, und wenn sie in der Graupenmühle mehr abgerundet wurden, den Namen gerollte Gerste oder Perlgraupen führen.

Das Gerstenmehl enthält, außer Stärkemehl, Kleber, Schleimzucker, Gummi, und Eiweißstoff, auch ein mit Weingeist ausziehbares, grünlich-braunes, dickes Öl, von fuseligem Geruch und Geschmack.




Anwendung

Die Abkochung der rohen Gerste, häuslicher aber der Gerstengraupe, dient als schleimiges Getränk in fieberhaften und entzündlichen Krankheiten, ebenso die Suppe der letzteren als leichtes, schleimiges Nahrungsmittel. Auch bildet die Gerstengraupe nach manchen Vorschriften einen Bestandteil der Brustspecies.

Wenn man die rohe Gerste in Wasser aufquellen, dann durch Aufhäufen sich erwärmen und, nachdem der Keimungsprozess bis zum Austreiben der ersten Wurzelzasern eingeleitet ist, schnell an der Luft oder bei gelinder Wärme trocknen lässt, so erhält man das Gerstenmalz, welches viel reicher an Schleimzucker und Gummi ist, daher auch einen süßlichen Geschmack besitzt.

Zu dessen Bereitung werden namentlich die Früchte der zweizeiligen Gerste verwendet und das daraus erhaltene Malz hauptsächlich zur Bereitung des Bieres benutzt.
Außerdem wird aus diesem Malz auch ein Fruchtbranntwein hergestellt, der im entfuselten Zustande gleich dem Weingeiste zum Arzneigebrauch verwendet werden kann.

Der Aufguss oder die einfache Abkochung wird aber auch als einhüllendes, reizminderndes, leicht nährendes Getränke, oder in Malzbädern als ein die Spannung und erhöhte Reizbarkeit, zumal der Haut, verminderndes Mittel verordnet. Zuweilen bildet es auch einen Bestandteil der Brustspecies.

Das Gerstenmehl kann wie andere Mehlarten äußerlich zu Bähungen, innerlich als einhüllendes Mittel benützt werden. Besonders ist das durch längeres Kochen im Wasser zubereitete Gerstenmehl als ein reizminderndes, nährendes und die Kräfte wiederherstellendes Mittel von Hufeland bei Brustkrankheiten empfohlen worden.

Einen ausgezeichneten Malztrank, namentlich bei Hämorrhoiden, bei Krebs, Flechten, Skropeln, Stein, Blasenleiden vorzüglich, erhält man, indem man über einen Löffel feines Malzmehl ein Liter siedendes Wasser gießt, dies einige Stunden stehenläßt und dann filtriert.Es muss dies jedoch täglich wiederholt werden, man kann zur Erhöhung des Wohlgeschmacks auch etwas Wein darunter gießen.

Ähnlich erhält man das für Fieberkranke ausgezeichnete Gerstenwasser. Man siedet 40 – 80 g Perlgraupen 5 Minuten lang in etwa 1 starken Glas voll Wasser, zieht weitere 2 Liter siedendes Wasser zu, kocht es auf die Hälfte ein und seiht durch. Gewöhnlich gibt man zu 1 Liter Wasser noch 80 g zerschnittene Feigen, 80 g gestoßene Rosinen, die in ½ Liter Wasser bis zur Hälfte eingekocht und durchgeseiht waren, dazu.

In der Tierheilkunde wird die Gerste gern zu Dampf- oder Dunstbädern bei katarrhalischen Krankheiten, wie Druse, Strengel, Bräune und Lungenkatarrh in der Zeit der entzündlichen Reizung benutzt. Man kocht sie für diesen Zweck mit Wasser, bis die Körner aufplatzen, lässt die Flüssigkeit, etwas abkühlen und dann deren mäßig warmen Dunst einatmen, indem man gleichzeitig den Kopf und Hals der Tiere von oben mit einer Decke bedeckt.

Gerstenmehl besitzt die Eigenschaft der Gerste und kann wie das Weizenmehl benutzt werden. Gerstenmalz gibt man als Nahrungsmittel schwachen Pferden, in Gaben von ½ Kilo, täglich 3 – 4 mal. Gegen den Strengel der Pferde ist, Gerste, gesotten, ein vorzügliches Mittel. Man schüttet die noch heiße Gerste in einen Sack, welcher dem Pferde so über dem Kopf zugebunden wird, dass der Dampf ihm durch Maul und Nase dringen muss. Frisst das Pferd nach dem Erkalten die Gerste, so ist es um so besser. Bei Durchfällen, die nicht mit verstärkter Reizbarkeit verbunden sind, mindert es die Entleerungen.

Dasselbe ist auch bei Fäule und bei den Lungenwürmern der Schafe, wenn das Übel noch nicht zuweit gediehen ist, ganz besonders wirksam. Für 50 Schafe lässt man 25 Pfund braun geröstetes Malz in 80 Liter Wasser bis zum weichwerden kochen, setzt dann 1 Kilo Wachholderbeerpulver und 7 ½ g Eisenvitriol, hinzu, und gibt das Ganze nach dem Erkalten als Getränk.

Auch Bier kann entkräfteten Tieren, z. B . zurzeit der Geburt, wenn die Wehen zu schwach sind, und in ähnlichen Fällen gegeben werden. Man kocht es mit Brot, und setzt nach Bedürfnis aromatische Mittel, Branntwein oder Wein hinzu.

Bildnachweis: By Florian Gerlach (Nawaro) (Own work) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons



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