Weinrebe

(Vitis)

Gattung der Familie Ampelideen, mit 5 zahnigem Kelche und 5 Blumenblättern, die mit ihren Spitzen zusammenhängen und in Gestalt eines Mützchens am Grunde sich ablösen.

Edle Weinrebe

(V. vinifera)

Weinstock, Traubenstock. Ein Strauch, der, sich selbst überlassen, an andern Sträuchern und Bäumen mittelst seiner Gabelranken sehr hoch hinaufklimmt. Die mehr oder minder tief, meist buchtig gelappten Blätter sind in der Jugend, zuweilen auch oberseits, mit einer bald verschwindenden Wolle verkleidet, die Spindeln der Rispen gehen durch Fehlschlagen der Blüten in die einfache, oder doppelt gegabelte Ranke über, die gelblich-grünen Blüten sind wohlriechend und die grünlichen, gelblichen, rötlichen, bräunlichen oder schwarzblauen, Beeren sind mehr oder weniger stark mit einem hechtblauen Reife belegt.

In Mingrelien und Georgien heimisch, wird er schon seit geraumer Zeit in Kleinasien, Afrika und in dem südlichen Teile von Europa gepflanzt und hat infolge dessen eine Menge Spielarten geliefert. Er blüht im Juni und reift im September und Oktober.

Von dem Weinstock sind unmittelbar gebräuchlich die frischen Früchte, oder Weintrauben und die jungen, noch krautigen Triebe, oder Weinranken mit den Blättern.



Anwendung

Die frischen Weintrauben, ohne Geruch, von einem angenehm süßen, dabei oft mehr oder minder gewürzhaften, säuerlichen, oder auch etwas herben Geschmack, je nach den verschiedenen Spielarten, werden in den besseren Weingegenden bei Unterleibstockungen und Brustleiden als Traubenkur verordnet.

Die jungen, beblätterten Triebe, gleichfalls ohne merklichen Geruch, von einem säuerlichen und herben Geschmacke, enthalten als vorherrschende Bestandteile Wein- und Apfelsäure, und gelten als blutreinigendes, harn- und schweißtreibendes Mittel.
Die getrockneten Beeren einiger, in den wärmeren Ländern gebauten Spielarten kommen im Handel als Rosinen vor, von welchen man folgende zwei Sorten unterscheidet:

  1. Große Rosinen, welche teils rund sind und nach ihrem herkommen, als kalabrische, französische, spanische und die letztern selbst wieder als Muskatblumen, oder Samenrosinen, Leyasrosinen etc. unterschieden werden, teils von Spielarten mit länglichen, Beeren herrühren und den Namen damascener und spanische, oder Pick-Zibeben führen, alle enthalten jedoch unter der zusammengeschrumpften Schale ein zuckersüßes Fleisch mit harten Samen;
  2. Kleine Rosinen, oder Korinthen, welche vorzüglich auf den jonischen Inseln und auf Morea, von einer sehr kleinbeerigen, schwarzblauen, kernlosen Spielart gewonnen werden und deshalb in ihrem äußern süßen Fleische keine Samen einschließen. Sie enthalten, wie die großen Nonnen, als vorherrschende Bestandteile Krümmelzucker, Schleimzucker, Gummi und doppelt-weinsaures Kali (Weinstein).

Die Rosinen, welche nährend, lindernd, die Schleimabsonderung befördernd wirken, kommen noch als Bestandteil mancher Brustspezies in Anwendung.
Aus dem ausgepressten, gekelterten Saft der frischen Beeren, dem Traubensaft oder Most, wird durch die weinige Gährung als Kunstprodukt der Wein gewonnen. Der Most, von einem mehr oder minder süßen Geschmack, enthält im allgemeinen Zucker (Traubenzucker), Eiweiß, Pflanzengallerte, Weinsäure und mehrere Salze. Durch die weinige Gährung wird ein Teil des Traubenzuckers in Weingeist umgewandelt und je nach der Menge des nach der Gährung noch übrigen Zuckers entsteht ein süßer, oder säuerlicher Wein. Der Most aus Trauben, welche keine färbende Schalen haben, gibt sogenannten „weißen Wein“, dessen Farbe jedoch von der blatzgelben bis zur braungelben wechselt.

Roter Wein wird erhalten, wenn man die zerquetschten blauen Trauben vor dem Keltern bis zur beginnenden Gärung über ihren Schalen stehen lässt, wodurch der in den letzteren enthaltene Farbstoff ausgezogen wird. Der ausgegorene Wein enthält als hauptsächlichste Bestandteile Weingeist, Önanthsäure-Äther und Wasser, außerdem sind in größerer oder geringerer Menge in demselben aufgelöst:
Zucker, Gummi, Auszugstoff, freie Essigsäure, Weinsäure, weinsaure Salze etc.

Der rote Wein enthält außerdem noch violetten Farbstoff und eisengrünenden Gerbstoff. Zu den in Deutschland in der Heilkunde angewendeten Weinen gehören der weiße Franzwein, der rote Franzwein, der spanische oder Malagawein und der Rheinwein.



Anwendung

Die bessern Weine, welche in kleineren Gaben erregend und stärkend auf die Verdauungsorgane, in größeren Gaben belebend auf das gesamte Nerven- und Gefäßsystem, in zu großen Gaben aber berauschend wirken, werden häufig zur Stärkung Wiedergenesender verordnet, sie dienen ferner als Auflösungsmittel bei manchen Mixturen, sowie zur Bereitung der medizinischen Weine.

In der Tierheilkunde kann die innerliche Anwendung des Weines, wo derselbe wohlfeil zu haben ist, bei jeder Krankheit stattfinden, die mit einem hohen Grade von wirklicher Schwäche verbunden ist mW vorzüglich bei allgemeiner und örtlicher Schwäche mit Schlaffheit, bei Krämpfen, rheumatischen Leiden, unvollständigen Lähmungen, bei Mangel an Appetit, bei Krampf- und Windkolik, bei Mangel an Wehen zur Zeit des Gebarens und beim Zurückbleiben der Nachgeburt. Die Gabe kann für Pferde und Rinder 250 – 500 g, für Schafe 90 – 150 g, für Schweine 30 – 90 g und für Hunde 15 – 60 g sein.

Äußerlich kann der Wein bei Lähmungen, bei Erschlaffung, Auflockerung und zu starker Ausdehnung oberflächlich liegender Teile, nach Verrenkungen und Verstauchungen, bei Quetschungen, Blutunterläufen und schlaffen Anschwellungen, bei dem kalten Brande und bei Rheumatismen gebraucht werden. Am zweckmäßigsten sind hierzu die sauren und roten Weine, die man zum Waschen und zu Umschlägen kalt oder warm und zuweilen in Verbindung mit wohlriechenden Kräutern, mit Kampfer, mit Kochsalz etc. benutzt.

Die Weintrester, die Weinhesen, das Weinlager können zu Umschlägen und Bähungen gegen träge Entzündungen, gegen Quetschungen, vorzüglich aber gegen brandige, unreine und stinkende Geschwüre benutzt werden.
Aus dem Wein oder den in Gährung befindlichen Weinreben erhält man durch Destillation den Branntwein oder Weingeist, der für den medizinischen Gebrauch durch eine wiederholte Destillation gereinigt werden muss, und dann den geläuterten Weingeist darstellt.

Der reine Weingeist ist ein heftiges Reizmittel, das erhöhte Wärme, Beschleunigung der Tätigkeit aller Organe, und in stärkeren Gaben Betäubung mit nachfolgender Abspannung bewirkt. Er Wird selten für sich oder mit Wasser gemischt innerlich, sondern häufiger als zerteilend und belebend und auch hier meist in Verbindung mit anderen Mitteln äußerlich verordnet. Er dient ferner zur Bereitung der Zahlreichen in der Heilkunde gebräuchlichen Tinkturen, der medizinischen
Spiritus und der Aether und Naphten.




In der Homöopathie spielt der Weingeist als unarzneilicher Stoff eine wichtige Rolle als Auszugs- oder Auflösungsmittel von Arzneistoffen. Durch saure Gährung erhält man aus dem Weine die beste Essigsorte, den Weinessig, welcher sich vor dem gewöhnlichen Essig durch einen angenehmen Geruch und Geschmack auszeichnet.

Der Essig wirkt erregend, schweißtreibend und fäulniswidrig, in kleineren Gaben selbst die Verdauung besonders tierischer Substanzen, befördernd und die Gallenabsonderung regelnd. Er ist eines der besten durstlöschenden Mittel und wird innerlich wie äußerlich bei Faul- und Fleckfiebern, Blutflüssen, bei Vergiftungen mit scharf betäubenden Substanzen und manchen anderen Leiden angewendet, auch dienen feine Dämpfe zur Luftverbesserung. Außerdem dient er zur Bereitung der medizinischen Essige und der Sauerhonige.

Der Hauptbestandteil des Essigs oder die Essigsäure hat einen lieblichen sauren Geruch und Geschmack. Dieselbe wirkt besonders belebend und erfrischend auf das Nervensystem und dient als besänftigendes Mittel bei fieberhaften und entzündlichen Leiden. Beim längeren Liegen des Weines in Fässern fetzt sich an der inneren Seite der letzteren eine kristallinische Rinde ab, diese ist der rohe Weinstein oder das rohe doppelt weinsaure oder weinsteinsaure Kali.
Durch Reinigung bereitet man daraus in chemischen Fabriken die Weinsteinkristalle oder das gereinigte doppelt weinsaure Kali, welche in gepulvertem Zustande den Namen Weinsteinrahm führen. Aus dem gereinigten Weillstem wird endlich auf chemifcheni Wege die krystallinische
Weinsäure oder Weinsteinsäure oder das wesentliche Weinsteinsalz geschieden.

Der gereinigte Weinstein ist ein bei gewissen Krankheiten häufig gebrauchtes Abführmittel. Die Weinsteinsäure, welche ebenfalls abführend und kühlend, besonders aber auf die Gallenabsonderung wirkt, wird gegen Stockungen in der Lebertätigkeit als heilsam gepriesen. Außerdem finden aber auch noch das neutrale oder einfach weinsaure Kali und die verschiedenen ebenfalls aus dem gereinigten Weinstein bereiteten zusammengesetzten weinsteinsauren Salze in der Heilkunde Anwendung.

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