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Kaffeebaum

Kaffeebaum

Kaffeebaum

(Coffea)

Gattung der zur Familie der Krappgewächse gehörenden Unterfamilie Coffeaceen, mit einem, dem Fruchtknoten angewachsenen, einen kleinen, 4 – 5-zähnigen Saum besitzenden Kelche, einer röhrig-trichterigen Blume, die einen ausgebreiteten, 4 – 5-teiligen Saum hat, welcher eine genudelte, nackte, oder vom Kelchsaum gekrönte, kernige und 2-samige Beere folgt. Die pergamentartigen Kernschalen sind vorn flach und mit einer Längsfurche in der Mitte versehen.



Echter Kaffeebaum

(C. arabica)

Ist ein immergrüner, vielästiger, 6 – 9 Meter hoch werdender Baum, mit ausgebreiteten Ästen, deren obere schlaffer und übergebogen sind. Die 12 – 16 cm langen, 5 – 6 cm breiten Blätter sind oberseits glänzend dunkelgrün, unterseits matt- und blassgrün, die breit eirunden Nebenblätter spitz und abfällig. Die zu 3 – 7 in einem Büschel stehenden Blüten bilden meist Scheinquirl und die trichterig-tellerförmigen Blüten sind weiß, wohlriechend und 3 – 4 ½ cm lang, dabei hat ihr 5-teiliger Saum lanzettliche, spitze Zipfel, Die so lang als die Röhre sind.
Die 18 – 27 mm langen Beeren sind dunkelkirschrot und die ovalen Samen auf dem Rücken gewölbt und vorn flach, dabei wie ihre gelblichen Kernschalen, mit einer Längsfurche in der Mitte versehen und enthalten einen festen, hornartigen Eiweißkörper. Ist auf den Gebirgen der südlichen arabischen Halbinsel, Yemen und dem abyssischen Hochlande heimisch und wird daselbst, wie in den beiden Indien, in Südamerika und in den Kolonien in Afrika kultiviert, wo er beinahe das ganze Jahr hindurch blüht. Die von dein Fruchtfleische befreiten Samen sind die Kaffeebohnen, der Hauptbestandteil des heutzutage am weitesten verbreiteten, allgemein genossenen, ja geradezu unentbehrlich gewordenen Getränkes.
In seiner Heimat wurde der Kaffee schon zu Anfang des 15. Jahrhunderts getrunken, zu uns kam er durch die Türken und die in damaliger Zeit den ganzen Handel beherrschenden Venetianer zunächst nach Italien, von da nach Frankreich, wo es schon im Jahre 1666 in Paris und Marseille Kaffeehäuser gab, von dort brachten ihn die Hanseaten, die damals schon ihrem Zerfall mit raschen Schritten entgegengingen, nach Hamburg, Lübeck, Bremen, selbst bis Riga und im Flug hatte sich der Kaffee ganz Deutschland erobert, allen Verboten, selbst päpstlichen Warnungen zum Trotze. Noch nie, den Tabak allein etwas ausgenommen, hat eine bisher unbekannte Frucht so rasch sich den Weg durch und in alle Lande erobert, keine aber auch verdient ihre Verbreitung so sehr, als eben der Kaffee.

Die im Handel vorkommenden Kaffeebohnen sind von ihrer pergamentartigen Kernschale und größtenteils auch von ihrer dünnen, hellbraunen bis rotbraunen Samenhaut befreit und kommen von 9 mm Länge und 6 mm Breite bei den levantischen, bis zu 1 ½ cm Länge und 9 mm Breite bei den westindischen Kaffeesorten vor. Die vorherrschende Farbe ist die gelblich-grau grünliche, welche bald mehr in die dunkelgelbliche oder bräunliche, bald mehr in die blau grüne oder grüne, seltener in die schwärzliche Farbe übergeht, daher man auch im allgemeinen gelbe und blaue, oder braune und grüne Sorten unterscheidet. Im Handel dagegen bezeichnet man die Sorten genauer nach den Gegenden, von welchen sie zu uns kommen. Der levantische oder türkische Kaffee, der über Kairo zu uns kommt, und der javanische Kaffee werden für die besten Sorten gehalten. Die aus diesen beiden oder bräunlich gelben Sorten ausgelesenen Samen bilden das, was man bei uns als Mokkakaffee verlauft, da der echte Mokkakaffee, die beste aller Kaffeesorten, im Handel gar nicht zu uns kommt, dann folgen der bräunlich graue, brasilianische Kaffee von einem starken, für viele Personen sehr angenehmen Aroma, der meist ebenso gefärbte, westindische Kaffee, der surinamische Kaffee, der sich durch seine Größe kennzeichnet, der von Cayenne, welcher dem levantischen an Güte nahe kommt, der von Martinique, welcher me größte Menge Cofffein enthält und der von Domingo und Guadeloupe, welches die gemeinden, am wenigsten geschätzten Sorten, sind. Schließlich gehört hierher noch der Bourbonkaffee mit seinen länglichen, weißlichen, beinahe geruchlosen Kaffeebohnen. Der Geruch der rohen Samen ist eigentümlich, aber schwach, der Geschmack etwas herb-bitterlich und wenig gewürzhaft, dagegen entwickeln sie beim Rösten einen sehr durchdringenden, aromatischen Geruch und nehmen einen gewürzhaften, angenehm bitteren Geschmack an. Das Aroma ändert indessen, je nach den verschiedenen Sorten, bedeutend ab. Die bemerkenswertesten Bestandteile der ungerösteten Samen sind ein festes fettes Öl, Harz, Gerbstoff, eine eigentümliche Säure, Kaffeegerbstoffsäure und einen indifferenten kristallinischen, sehr stickstoffreichen Inhalt (Koffein). Durch das Rösten wird erst der stark wohlriechende Stoff entwickelt, von welchem man nicht weis ob er aus der Säure und dem Gerbstoff oder aus einem anderen Bestandteil erzeugt wird, während das Koffein ziemlich unverändert bleibt.



Anwendung

Der gebrannte Kaffee, dessen Aufguss oder Abkochung sind allgemein verbreitetes, gewöhnliches Getränke aller Stände geworden ist, äußert eine eigentümlich erregende und belebende Wirkung auf das Gefäß- und Nervensystem und befördert bei mäßigem Genuss namentlich die Verdauung und die Urinabsonderung.
Er kann daher bei Schwäche der Verdauungsorgane, bei Anspannung des Nervensystems durch körperliche und geistige Anstrengung als heilsam gelten, auch steht der unvermischte, wässerige Aufguss oder die Abkochung gegen Berauschung, gegen Wechselfieber und als wirksames Gegengift gegen Opium und andere stark betäubende Gifte im Ruf.
Namentlich gebe man starken, schwarzen, recht heißen Kaffee so rasch als möglich bei Vergiftungen durch Schierlingskraut, Nachtschatten, Bilsenkraut, überhaupt bei allen Pflanzengiften, solange bis der Arzt zur Stelle ist. Hat man kräftige Brechmittel zur Hand, so wendet man diese an. Daneben gebe man säuerliche Getränke, z. B. Limonade, Gerstenschleim mit Sauerhonig, lege auch äußerlich mit Essig angefeuchtete Lappen auf den Magen, und den Kopf, die erste Maßregel aber ist und muss sein: So rasch, als möglich einen Arzt herbeizurufen, obige Mittel können nur eine rasche Wirkung des Giftes verhindern, die Heilung und Unschädlichmachung des Giftes muss durch den Arzt erfolgen. Also sofort zum Arzt und sofort recht starken, heißen, schwarzen Kaffee. Man hüte sich, in Vergiftungsfällen viel Wasser zu trinken, weit entfernt davon, etwas zu nutzen, wirkt dies viel mehr schädlich, schleimige Mittel und vor allem schwarzer Kaffee versprechen allem Rettung.

Der rohe Kaffee ist ebenfalls als ein wirksames Mittel gegen Fieber, Gicht, Keuchhusten und Migräne – in Pulver, Aufguss und Abkochung – und selbst der Dampf der letzteren gegen anhaltende Augenentzündung empfohlen worden.

In der Homöopathie gilt die aus den rohen Kaffeebohnen bereitete Tinktur als ein vorzüglich beruhigendes, die Empfindlichkeit herabstimmendes Mittel, und wird als wirksam empfohlen bei Wechselfieber, Schlaflosigkeit, Pocken, Masern und Purpurfriesel, bei Schlagfluss, von Blutandrang herrührend, bei Zahnschmerz, bei übermäßiger Gemütserregung, bei heftigen Geburts- und Nachwehen und Zuckungen.

Bildnachweis: By H. Zell (Own work) [GFDL or CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons



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