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Aloe

Aloe

Aloe

(Aloe)

Gattung der Familie Kronlilien, mit röhriger, 6spaltiger oder 6teiliger, im Grunde Honigsaft führender Blüte, die einen regelmäßigen, nur etwas 2lippigen Saum zeigt, auf welche eine dreifächerige Kapsel mit plattgedrücktem oder kantigem Samen folgt.

Soccotrinische Aloe

(A. soccotrina)

Hat einen walzigen, unterwärts nackten, von den Blattnarben geringelten, 1-2 Meter hohen, bis armsdicken Stamm, der anfangs einfach später wiederholt gabelästig ist. Die dicken, fleischigen, an den Gipfeln des Stammes und der Aste zusammengedrängten Blätter sind oberseits seichtrinnig, seegrünlich, unterseits mit wenigen weißlichen Flecken bemalt. Die Zähne des Randes sind genähert, kurz und gerade. Die aufrechten, 20cm hohen Blütenstiele tragen eine walzige, dickblätterige Traube, deren anfangs aufrechte, dann hängende Blüten hochrot oder safranfarbig und mit einen: grünlichen Saume versehen sind. Findet sich auf Rikotora und am Kap der guten Hoffnung.

Ährige Aloe

(A. spicata)

Mit walzigem 1-1,1m hohen, armsdicken Stamme und 20cm langen, an dem Gipfel zusammengedrängten Blättern, die rinnig sind und sich allmählich von; Grunde aus zuspitzen. Die gedrungen-ährenförmige, 10cm lange Traube hat weißliche Blüten mit grünem Kielnerve der Blütengipfel. Findet sich am Vorgebirge der guten Hoffnung.




Gemeine Aloe

(A vulgaris)

Mit walzigem, meist gekrümmtem, nur 10-20cm hoch werdenden Stamm, hat 20cm lange, am Gipfel des Stammes gedrängt stehende, an ihrem Grunde flache, stengelumfassende Blätter, die oberwärts seichtrinnig, sonst dick, fleischig, blattgrün, weiß-bereift und häufig weiß gesteckt sind. Der gipfelständige, 1 Meter hohe, starre, etwas kantige, am Grunde schwach zusammengedrückte, einfache oder ästige Blütenstiel trägt eine 10cm lange, in einen Schöpf von Deckblättern endigende Traube, deren anfangs aufrechte, dann hängende Blüten gelb, dunkelgelb oder grüngestreift sind. In Afrika heimisch, von da nach den übrigen Weltteilen verpflanzt, verwilderte sie. Diese drei Aloe-Arten sollen vorzugsweise die im Handel vorkommende Aloe liefern. Sie ist der, in eigenen, unter der Oberhaut der Blätter liegenden Gefäßen enthaltene, sehr bittere Saft, welcher auf verschiedene Weiße ausgezogen und abgedämpft wird. Man unterscheidet im Handel folgende vier Sorten:

1. die sokkotrinische Aloe

welche in Häuten und Kürbisschalen verpackt aus Ostindien zugeführt wird, bricht in stärker glänzenden und an den Kanten mehr durchscheinenden Stücken und gibt auch ein mehr gelbgesättigtes Pulver als die folgende Sorte. Sie ist überhaupt die beste Aloe-Sorte und steht auch in einem weit höheren Preise als die Kap-Aloe, nur ist sie nicht in allen deutschen Apotheken anzutreffen.

2. die Kap-Aloe

welche vom Vorgebirge der guten Hoffnung in Fässern und Kisten von verschiedener Größe Zugeführt wird, kommt auch in verschiedener Güte vor. Die bessere ist ganz trocken, hart und spröde, glänzend, von schwarzbraun ins grünlichgelbe spielender Farbe. Sie zerspringt ferner in scharfkantige Stücke, welche mit einem grünlich- oder bräunlichgelben Staube belegt, an den dünneren Kanten gelb oder rötlichbraun durchscheinend sind, und beim Zerreiben ein blassgelbes Pulver geben. Sie besitzt einen unangenehm balsamischen, aber keineswegs starken Geruch und einen widerlichen, stark und anhaltend bitteren Geschmack. Dieselbe ist die heutzutage am meisten angewendete Sorte.

3. die Leber-Aloe

kommt aus Ostindien und wird in Häuten, Fässchen oder Kistchen von geringem Gewichte verpackt. Sie hat eine mehr leberbraune, außen dunklere Farbe, besitzt einen nur schwachen Glanz, ist an den Kanten undurchsichtig und gibt ein sattgelbes Pulver. Geruch und Geschmack sind noch unangenehmer wie bei der vorigen Sorte, auch ist sie nur in wenige der neueren Pharmakopöen aufgenommen worden.

4. die Barbados-Aloe

wird aus Westindien, namentlich von Barbados in großen Kürbisschalen eingeführt. Sie sieht der Leber-Aloe ähnlich, unter welchem Namen sie ebenfalls verkauft wird, hat eine dunkelbraune Farbe, einen schwachen Glanz und ist ebenfalls an den Kanten undurchsichtig. Sie gibt ein dunkleres, schmutzigbraungelbes Pulver und besitzt einen noch etwas stärkeren Geruch.

Diese angeführten Aloesorten sind im kalten Wasser nur teilweise, in Weingeist aber fast, oder ganz löslich und bestehen aus einem bitteren Extraktivstoff, dem Aloebitter und einem Harze.




Anwendung

Da die Aloe eine reizend erregende Wirkung auf das gesamte Gefäßsystem, vorzugsweise auf die Blutgefässe der Unterleibsorgane, zumal des Uterus und des Mastdarms äußert und in stärkeren Gaben drastisch-purgierend wirkt, so ist sie ein geschätztes Mittel bei Trägheit des Blutumlaufs und bei Stockungen im Unterleibe, zur Beförderung der Menstruen und zur Regelung der Hämorrhoiden, sowie besonders bei älteren Personen zur herstellung einer besseren Verdauung. Bei reizbaren, zu vermehrter Gallabsonderung geneigten Personen, bei fieberhaften Zuständen, beim Eintritt oder beim unmittelbaren Aufhören der Menstruen muss man mit dem Gebrauch der Aloe vorsichtig zu Werke gehen. Im übrigen empfiehlt man die Aloe bei erschwerter oder geschwächter Verdauung mit seltenen Stuhlausleerungen, unter Erschlaffung der Leber mit unzulänglicher oder fehlerhafter Gallenabsonderung, Reizlosigkeit der Gedärme und starker Schleim- und Säurebildung. Bei Vorhandensein von Säure in der Magenmündung, bei Blenorrhöen (Schleimflüssen) der Verdauungsorgane, besonders des Mastdarms, gibt man kleine, nicht abführende Gaben und zwar während der ganzen Krankheit mit Rhabarber vermischt. Ferner verordnet man die Aloe bei Gelbsucht und anderen Leberkrankheiten, wenn die Leber weder entzündlich ergriffen ist, noch durch Gallensteine gereizt wird und in den Gallengängen sich keine mechanischen Verstopfungen vorfinden. Ebenso bedient man sich dieses Mittels bei Melancholie und Hypochondrie, bei chronischer Leberverstopfung und Anhäufung von Kotmassen im Dickdarme infolge gehemmter Gallenausscheidung. Bei hartnäckiger Kolik mit Verstopfung, bei Hämorrhoiden, um gewohnte oder unterdrückte Blutungen derselben hervorzurufen, sowie gegen verhaltene Monatsreinigung und gegen Eingeweidewürmer wird die Anwendung der Aloe angelegentlich empfohlen. Den Spulwürmern gegenüber soll die Aloe größere Dienste leisten, wie jedes andere Purgiermittel, sosern sie der Verdauung nicht schadet, und daher ihr Gebrauch längere Zeit fortgesetzt werden kann. Äußerlich verordnet man dieselbe bei reizlosen Geschwüren der Weichteile, bei Brand- und Knochenfraß, zur Belebung und Verbesserung der Absonderungen.

Am besten gibt man die Aloe in Pillenform zu 0,05-0,1g in Gabe als Abführmittel in 0,25-0,4-0,5g. Das durch Einweichen eines Teils Aloe in 4 Teilen destillierten Wassers erhaltene trockene Extrakt wirkt weniger reizend und wird in Pulver- und Pillenform gegeben. Die Aloetinktur wird nur äußerlich angewendet. Die verschiedenen Präparate werden auf nachstehende Weise bereitet.

Die Aloetinktur erhält man, indem man 60g gestoßene Aloe mit 500g höchst gereinigtem Weingeist unter öfterem Umschütteln 4 Tage hindurch einweicht und dann durchseiht. Das Elixir proprietatis besteht aus 3 Teilen Aloetinktur, 4 Teilen Myrrhentinktur und 2 Teilen Safrantinktur.

Das Elixir proprietatis Paracelsi erhält man, wenn man je 60g grobgepulverte Aloe und Myrrhe und 30g Safranpulver mit 1 Kg geläutertem Weingeist und 60g verdünnter Schwefelsäure 4 Tage hindurch einweicht und dann durchseiht.

Die zusammengesetzte Aloetinktur, Lebenselixir, auch schwedische Tropfen genannt, wird bereitet, wenn man 36g Aloe und je 4g Enzianwurzel, Rhabarber, Zitwerwurzel, Safran, Lärchenschwamm, Theriak 825g Weingeist von 56% einweicht, dann duchseiht und auspresst, und nachdem man den Rückstand mit derselben Menge Weingeist auf gleiche Weise behandelt hat, beide Tinkturen vermischt und durchseiht.

Dr. Kiesow’s Lebensessenz besteht aus 90g Rhabarber, 500g Aloe, 90g Enzian, 90g Safran, 120g Zitwerwurzel, 120g Lärchen schwamm, 120g Myrrhe, 120g Theriak, 13,5 Kg. Franzbranntwein.

Den Aloewein bereitet man aus 45g Aloe, je 6g Kardamomen, und Ingwer, und 7 Liter Wein. Das Ganze lässt man einige Tage einweichen, worauf man es durchseiht. Aus ähnlichen Zusammensetzungen besteht die so genannte schwedische Lebensessenz, wir geben jedoch der Kiesow’schen unbedingt den Vorzug.

Für solche, die jedoch die schwedische sich bereiten möchten, mag hier das Rezept gegeben sein:

30g Aloe soccotrina, 4g Rad. gentianae, 4g Croci austriaci 4g Rhei elect, 4g Agarici albi, werden pulverisiert, gesiebt, und in einer gläsernen Flasche mit einem Liter gutem französischem Branntwein, oder Burgunder nebst 4g venetianischem Theriak übergossen, mit einer Blase sorgfältig verschlossen, und an einem schattigen Orte aufbewahrt. Nachdem man die Masse 9 Tage lang zweimal täglich geschüttelt, wird der Extrakt, solange er klar läuft, abgegossen, und wieder, gut verwahrt, aufgehoben. An den Satz schüttet man abermals 1 Liter Branntwein oder Burgunder, und filtriert nach 9 Tagen den Inhalt durch Fließpapier. Nun schüttet man beides zusammen, und kann die Essenz sofort gebrauchen. Man nimmt in der Regel 8 Tropfen davon. Das Mittel ist ein vorzügliches, obwohl wir nicht, wie Kiesow und der Verfertiger der schwedischen Essenz, behaupten möchten, dass ihrer Essenz so ziemlich jede Krankheit weichen müsse. Immerhin sollte das treffliche Mittel in keinem Hause fehlen. Vor einem „ Löffel voll nehmen” der Arznei möchten wir entschieden warnen.

Überhaupt beruht die Wirkung der meisten sogenannten Magenmittel auf ihrem Aloeghalt, so die Augustiner-Pillen , welche man erhält, wenn aus 90g gepulverter heller Aloe, 12g Rhabarberpulver, je 4g Scammonium, Koloquinten, Ialappenwurzelpuluer und Myrrhe durch Mischen mit geläutertem Weingeist Pillen von 0,1g bereitet und sie mit Äther besprengt werden. Stahl’s Aloepillen bereitet man aus 30g Aloepulver, 15g zusammengesetztem Koloquintenextrakt und 8g Eisenfeile, wozu man die nötige Menge Gummischleim nimmt.

In der Tierheilkunde wird die Aloe ebenfalls, innerlich wie äußerlich, angewendet. Innerlich zunächst in zwei verschiedenen Gaben. Behufs Verbesserung der Absonderungen der Schleimhäute, besonders im Darmkanal, wendet man sie in kleinen Gaben an, da sie hier als gelinderregendes, belebendes Mittel wirken soll, und dann wird sie in großen Gaben als Purgiermittel gebraucht. Will man schließlich beide Zwecke erreichen, so wendet man sie in geteilter großer Gabe an. In erster Form dient sie gegen Schwäche und Erschlaffung der Verdauungseingeweide, wenn die Reizbarkeit derselben weder zu sehr gesunken, noch krankhaft erhöht ist. Sie ist daher bei Verschleimung bei zu geringem Appetit, bei schlechter Verdauung, wenn der Kot zu locker, zu weich und mit Schleim umhüllt abgeht, bei Diarrhöe mit reichlichem Abgänge schleimigen Kots, aber auch bei Leibesverstopfung infolge von Unempfindlichkeit und bei Würmern eine ganz vortreffliche Arznei. Auch wendet man sie bei Stockungen in der Leber, bei Leberregeln, bei langwieriger Gelbsucht, bei Dummkoller mit gleichzeitiger Leberaffection, bei der weißen Ruhr der jungen Tiere und dergleichen Krankheiten mit Nutzen an. Man gibt sie in solchen Fällen für Pferde zu 2-4g, für Rindvieh zu 4-8g, für Schafe und Schweine zu 0,625-2,5g, für Hunde zu 0,05-0,8 g täglich 3-4 mal in Verbindung mit aromatischen oder zusammenziehenden Mitteln, mit Ofenruß, Stinkasant und dergleichen Stoffen.

Am häufigsten wird jedoch die Aloe als Abführungsmittel angewendet und in dieser Eigenschaft bei Pferden jedem anderen Mittel vorgezogen, sofern bei richtiger Anwendung ihre Wirkung ziemlich sicher und verhältnissmäßig mit der wenigsten Gefahr verknüpft ist. Bei Wiederkäuern ist dieses Mittel, da seine Wirkung weniger sicher ist, nicht so brauchbar. Bei Hunden wirkt Ialappe, Gumigutt, Kalomel viel sicherer abführend. Die Anzeichen für Anwendung der Aloe als Abführungsmittel bestehen in Verstopfung des Leibes, die aus Erschlaffung und Mangel an gehöriger Tätigkeit im Dickdarm entstanden ist, daher wendet man die Aloe als Abführungsmittel bei der so genannten Verstopfungskolik der Pferde, bei langwieriger Unverdaulichkeit beim Rindvieh (in Verbindung mit Glaubersalz), bei Eingeweidewürmern und Darmsteinen, bei Rheumatismen, bei Augen- und Gehirnentzündungen und Dummkoller, bei schlaffen Anschwellungen im Bauche und an den Schenkeln, langwierigen Hautausschlägen u. s. w. an. Außerdem benützt man dieselbe sehr oft als ein Vorbauungsmittel gegen verschiedene Krankheiten, die aus Vollblütigkeit entstehen können, so bei Pferden, die viel Ruhe haben und dabei gutes Futter erhalten, die ferner zu Augenentzündungen, Dummkoller und eine Anlage haben, sowie bei zu großer Fettleibigkeit und hier insbesondere bei den Träumen der Rennpferde. Nur bei Entzündungen und bei heftigen Schmerzen in der Bauchhöhle darf die Aloe nicht angewendet werden.

Für ausgewachsene Pferde ist, wenn man die Aloe allein gibt, die Abführgabe derselben 1,20-2,25g, für Rindvieh 1,5-3,0g., für Schafe 0,75-2,25g, für Schweine 75g und für Hunde 1,25- 4g. Die Anwendung geschieht bei Pferden und Schweinen am besten in Pillenform. Während bei Wiederkäuern die flüssige Form die angemessenere ist. Die Aloe wird häufig mit kohlensaurem Kali, weißer und grüner Seife, Seifenwasser, schwachem Branntwein, Glauber- und Doppelfalz, Kalomel, Nießwurz Verbunden. Man nimmt 24-40g pulverisierte gute Aloe, 12-15g geschabte weiße Seife (grüne Seife scheint die Wirkung der Aloe mehr zu befördern) und so viel als nötig lauwarmes Wasser, reibt alles in einem Mörser zu einer gleichförmigen Masse und formt daraus eine Pille, die man einem Pferde auf einmal gibt. Als sehr wirksam bezeichnet man nachstehende Pillen: 25g pulverisierte Aloe und 13,5g von einer konzentrierten gereinigten Pottaschenauflösung, werden in einem Topfe zusammengerührt, worauf man sie im so genannten Wasserbade zu einer gleichförmigen Masse zusammenschmilzt, aus welcher 15g wiegende Pillen gemacht werden. Man gibt davon Pferden und Kühen 2-3, Schweinen 1 Stück, und Hunden je nach ihrer Größe 1/4-1/2-1 Pille. Will die Aloe in flüssiger Form angewendet werden, so löst man einfach eine etwa vorhandene Aloepille in warmem Wasser auf, oder reibt die bestimmte Gabe der pulverisierten Aloe mit 16-20 Teilen lauwarmen Seifenwassers zusammen. Auch kann man recht zweckmäßig eine Auflösung der Aloe in warmem Wasser, ein Teil auf 8-10 Teile, herstellen, wobei man nach dem Erkalten die Flüssigkeit vom harzigen Bodensatz abseiht und erstere für sich allem anwendet. Die Wirkung einer solchen wässrigen Auflösung ist natürlich stets milder, aber deshalb doch nicht schwächer als von der ganzen Aloe. Das wässerige Aloe-Extrakt, das man durch Auflösung der pulverisierten Aloe in 4 Teilen Wasser vermittelst Auflösens, Durchseihens und Abdampfens bis zu einem trockenen Extrakt herstellt, enthält nur den Extraktivstoff und das Aloin. Dasselbe wirkt milder und gleichmäßiger wie die Aloe. Manche Tierärzte gebrauchen deshalb diesen Extrakt statt der Aloe fast in allen Fällen und zwar bei Pferden als Abführmittel in der Gabe von 24-28g, bei Kühen zu 30g, bei großen Hunden zu 1-2g.

In der Berliner Tierarzneischule wird es in kleineren Gaben (8-12g) jetzt vorzugsweiße gegen so genannte Verstopfungskolik angewendet. Vei dem Gebrauch der Aloe als Abführmittel nutz man bei allen Tieren, besonders aber bei den Pferden ein passendes gesundheitsgemäßes Verhalten sich zur Richtschnur dienen lasse::, um die abführende Wirkung zu erleichtern, sowie Kolik, Darmentzündung und andere widrige Zufälle zu verhüten. Man gibt den Tieren nur weiche, milde Nahrung, Pferden z. B. etwas Heu und Kleie, aber kein Körnerfutter, und auch dies nur in geringer Menge, lässt sie aber nach Belieben Kleienwasser saufen. Sechs bis zwölf Stunden vor dem Eingeben entzieht man den Tieren jede Nahrung, nach dem Eingeben tränkt man sie von Zeit zu Zeit mit überschlagenem Kleienwasser, bedeckt sie mit einer warmen Docke und gibt ihnen bei der nächsten Futterzeit wieder nur wenig Heu und Kleie. Sechs bis acht Stunden nach dem Eingeben kann man bei milder Witterung die Pferde 15 oder 30 Minuten herumführen oder reiten lassen, bei unfreundlicher Witterung behält man sie jedoch lieber im Stalle. Diese Diät wird während der ganzen Zeit des Purgierens beobachtet, nach Ablauf derselben gibt man den Tieren nach und nach wieder ihr gewöhnliches Futter. Äußerlich wird die Aloe bei schlaffen, unreinen, schlecht eiternden, mit trockener Fleischbildung oder mit Maden versehenen Wunden und Geschwüren, besonders wenn Sehnen, Knochen und Knorpel mit ergriffen sind, wie z. B. bei Widerristschäden, bei Nackenfisteln, Knorpelfisteln, bei ausfallender Mauke, bei schlaffen Hufgeschwüren u. angewendet. Ferner dient sie zur Zerteilung der von Schwäche herrührenden Augenentzündungen, welche mit Erschlaffung der Bindehaut, mit übermäßiger Absonderung von Schleim und Tränen verbunden sind, ebenso auch bei Flecken und Verdunkelung der Hornhaut. Diese äußerliche Anwendung geschieht entweder in Pulverform, indem man die Aloe entweder für sich allein oder mit Kohle, Arsenik, Kalmus, Eichenrinde und dergleichen Mitteln versetzt und in die Geschwüre einstreut, oder in Salben als Zusatz zur Terpentinsalbe oder als Augensalbe, 0,4g fein pulverisierte Aloe auf 8g Fett oder Honig, oder in flüchtiger Form, als Aloetinktur, mit welcher man die schlaffen, unreinen oder dem Vernarben nahen Wunden und Geschwüre, sowie die Hornhautflecken bestreicht. In Verbindung mit gleichen Teilen Myrrhentinktur, Stinkasanttinktur und Terpentinöl bildet die Aloetinktur den so genannten Wundbalsam.

Bei Entzündungen des Magens und des Darmkanals darf die Aloe innerlich, und bei Entzündung, großer Empfindlichkeit und Trockenheit der Wunden äußerlich nicht angewendet werden.

In der Homöopathie empfiehlt C. Hering dieses Mittel gegen Verdrießlichkeiten, Blutandrang gegen das Gehirn, Kopfschmerzen, Haaransfallen, Triefen der Augen, Hornhautflecken, Ohrleiden, Taubheit, Nasenbluten, Lippenschwären, Zungenschwären, Zahnfleischgeschwüre, Zahnfäule, Mundblutungen, Schwäre und Fäule, Fisteln und böse Schäden, Magenschmerzen, schwere Verdauung mit Ekel, Erbrechen und Hartleibigkeit, Blutbrechen, Milzanschwellung, Darmschwindsucht, Wassersuchten, Kolik und Durchfälle, Ruhren, Hämorrhoiden, Schleimstockungen, Spulwürmer, Nierengeschwüre, Geschwüre am After, an den Geschlechtsteilen, Gebärmutterschmerzen, Stockung des Monatsflusses, Bleichsucht, Unfruchtbarkeit, Asthma, Kröpfe, Lähmungen, Alpdrücken, Fieber, Gelbsucht, faule Wunden, Schäden und Geschwüre u. s. w. Gaben: 1-2 Tropfen der ersten und Zweiten Verdünnung werden ein bis zweimal täglich wiederholt gegeben.

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Bildnachweis: #73243342 | © Lukas Gojda – Fotolia.com


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